Netflix-Serie „Stranger Things“ – Overhyped oder Volltreffer?

stranger thingsUSA 2016

Creators: Matt und Ross Duffer

Darsteller: Winona Ryder David Harbour, Finn Wolfhard…

Vorwort: Es ist inzwischen eine neue Generation an Serienjunkies herangewachsen. Für diese ist „Breaking Bad“ das Maß aller Dinge – während sie „The Sopranos“ oder „The Wire“ meist nur vom Hörensagen sagen kennen. Oder – im schlimmeren Fall – sie nicht kennen, oder im schlimmsten Fall diese zu langweilig finden. Dieser Aussage liegt zwar keine offizielle Statistik zugrunde, jedoch eigene Erfahrung. Mittlerweile ist auch in Deutschland ein wahrer Serientrend nicht mehr zu verneinen – unter anderem ist seit mehr als einem Jahr Netflix auch in Deutschland erhältlich, und erfolgreich. Gefühlt im Minutentakt gibt es staffelweise neue Serien zu gucken, und in eben diesem Tempo sind auch Aussagen zu lesen/hören wie: „XY musst Du Dir angucken“, „XY musst Du Dir unbedingt angucken, ist die beste Serie“ etc. Ich komme meiner persönlich erstellten „To-Watch-Liste“ kaum noch hinterher, und die Zeit, eine Serie wirklich mal zu genießen wird immer spärlicher. Es kommt mir ab und an so vor, als hakte ich einige Serien nur noch ab. Hauptsache gesehen, Hauptsache etwas dazu sagen/schreiben können.

Kritik: Mit reichlichen Vorschusslorbeeren startete vor einigen Wochen dann die von Netflix produzierte Serie „Stranger Things“. Freunde, Bekannte, das Internet – alle drehten durch und waren voller Lob. Vergleiche mit Steven Spielberg („E.T.“ und „Close Encounters of the Third Kind“) und Stephen King („Stand By Me“) wurden angestellt und der 1980er Stil (meine Kindheit) sei jederzeit fühlbar. Mit solch hohen Erwartungen kann man doch nur auf die Schnauze fallen. Wie soll diese Serie – gerade bei mir als Berufs-Skeptiker – das alles erfüllen können? Weiterlesen

Star Trek: Beyond

Star_Trek_BeyondUSA 2016

Regie: Justin Lin

Darsteller: Chris Pine, Zachary Quinto, Simon Pegg, Karl Urban, Idris Elba, Anton Yelchin…

Story: Kaum ist die Enterprise wieder fit und die Crew um Captain Kirk (Chris Pine) auf dem Weg zu einer neuen, interstellaren Mission, werden sie vom feindseligen Krall (Idris Elba) und seinen Schergen angegriffen. Die Enterprise wird vollständig zerstört und die einzelnen Besatzungsmitglieder müssen notgedrungen Zuflucht auf dem fremden Planeten Altamid suchen. Weit voneinander getrennt, müssen sie sich auf unbekanntem Terrain durchschlagen. Der neuerdings ziemlich in sich selbst gekehrte Kirk findet sich mit dem jugendlichen Optimisten Chekov (Anton Yelchin) wieder, während Uhura (Zoe Saldana) und Sulu (John Cho) von Krall gefangen genommen werden. Spock (Zachary Quinto) und „Pille“ McCoy (Karl Urban) sind sich derweil nicht besonders grün und unterdessen freundet sich Scotty (Simon Pegg) mit der Alien-Kriegerin Jaylah (Sofia Boutella) an, die zu einer starken Gefährtin wird.

Kritik: Nachdem J.J. Abrams 2009 mit „Star Trek“ ein Reboot/Remake mit neuer/alternativer Timeline vorgelegt hat, der sowohl vielen Trekkies als auch (bis dato) Nicht-Trekkies gefallen hat, folgte mit „Star Trek: Into Darkness“ 2013 ein Quasi-Remake zu „Der Zorn des Khan“ mit u.a. Benedict Cumberbatch, an dem sich die Geister scheiden. Ich habe mich damals in der ersten Euphorie – und wahrscheinlich auch von den zahlreichen Lens Flare Effekten – blenden lassen und den Film über den grünen Klee als Action-Blockbuster gelobt. Mit der Zeit verliert er zwar den Glanz der ersten Stunde, unterhält aber immer noch. In „Star Trek: Beyond“ ist nun etwas Alltag auf der Enterprise eingekehrt, wie uns Captain James T. Kirk (erneut passend von Chris Pine interpretiert, und irgendwie wird er seinem Vorbild William Shattner dank fantastischer Make-Up-Arbeit immer ähnlicher) anfangs erzählt. Um dieser Schiff-Routine zu entkommen, soll es weit hinausgehen, und fremde Welten und Lebensformen im All erforscht werden. Doch das führt uns – die Zuschauer, die Filmfans – nur in den nächsten All-Tag (pun intended), nämlich die Blockbuster-Routine. Weiterlesen

Stinkefinger gegen den Stinkefinger – ein offener Brief an Joachim “Jogi” Löw

Lieber Herr Joachim Löw, Ihre Taktik ist nicht aufgegangen: Drei Sechser und kein Stürmer gegen Frankreich im Halbfinale der EM 2016. Kann passieren, kein Ding. Aber die Fehler im Modus zu suchen und andere Teams als schlecht darzustellen (obwohl sie im Finale stehen), ist mindestens so unprofessionell und ärgerlich wie einen Götze als Stürmer spielen zu lassen, oder gar nicht erst einen zweiten Stürmer in den Kader der Fußball-Nationalmannschaft zu berufen.

Man mag mir das als pingelig auslegen, aber ich maße mir (auf dieser meiner Seite) mal an, genau verstanden zu haben, was sie mit Ihrer kleinen Bemerkung im Anschluss an die 0:2 Niederlage gegen Frankreich im Halbfinale der EM 2016 im Gespräch mit dem ZDF gemeint haben. Zur Erinnerung, Löw sagte: „24 Mannschaften sind zu viel, die WM wird auch aufgestockt auf 40 Mannschaften – es wird immer mehr und immer mehr. Am Ende hat es Portugal ins Finale geschafft mit, glaub’ ich, fünf Unentschieden (fünf Remis nach 90 Minuten und 2:0 im Halbfinale gegen Wales, Anm. d. Red.). Und die stehen jetzt im Finale. Hm. Okay.“ (Quelle: focus.de, 08.07.2016) Weiterlesen

The Nice Guys

April 21, 2016 - The Nice Guys - Poster and cover for the official soundtrack  that will be released by Lakeshore Recors on May 20, 2016USA 2016

Regie: Shane Black

Darsteller: Ryan Gosling, Russell Crowe, Margaret Qualley…

Story: Los Angeles 1977: Der abgehalfterte Privatdetektiv Holland March (Ryan Gosling) und der raubeinige Jackson Healy (Russell Crowe) sind sich nicht gerade grün, denn Healy wurde schon einmal damit beauftragt, March zu verprügeln. Doch dann müssen sich die beiden für einen lukrativen Auftrag zusammentun, da die Oberste Richterin (Kim Basinger) zuverlässige Männer braucht, die es mit dem Gesetz nicht so genau nehmen. Zusammen sollen sie ihre Tochter Amelia (Margaret Qualley) finden, die in Schwierigkeiten geraten und verschwunden ist. Mit Marchs pubertierender Tochter Holly (Angourie Rice) im Schlepptau begeben sich die beiden auf eine Schnitzeljagd quer durch Los Angeles, bei der sich der wenig kompliziert erscheinenden Fall als eine Multi-Milliarden-Dollar-Verschwörung herausstellt…

Kritik: Mit „The Nice Guys“ lässt Drehbuchautor und Regisseur Shane Black den von Kritikern und Publikum meist ungeliebten „Iron Man 3“ hinter sich und konzentriert sich auf die Stärken seines Regiedebüts „Kiss Kiss Bang Bang“. „Zum Glück“, denkt sich der geneigte Cineast, denn Black ist eine launige, schwarzhumorige und kleine, dreckige Buddy-Action-Komödie gelungen. Im Los Angeles im Jahre 1977 – eine Zeit, in der Weiterlesen

Kino-Review: X-MEN: APOCALYPSE

x-menUSA 2016

Regie: Bryan Singer

Darsteller: Jamey McAvoy, Michael Fassbender, Oscar Isaac, Jennifer Lawrence, Sophie Turner, Nicholas Hoult, Evan Peters, Olivia Munn, Hugh Jackman…

Story: Inzwischen werden Mutanten werden in der Gesellschaft weitestgehend akzeptiert. Allerdings schickt sich der “Ur-Mutant” an, Menschen wie Mutanten zu unterjochen: der einst als Gott verehrte Apocalypse (Oscar Isaac), der älteste und mächtigste Mutant der Welt. Er ist unsterblich und unbesiegbar, da er die Kräfte vieler unterschiedlicher Mutanten vereint – und er ist bei seinem Erwachen nach Tausenden von Jahren gar nicht glücklich darüber, wie sich die Welt entwickelt hat. Zur Verwirklichung seines Plans einer neuen Weltordnung bringt Apocalypse vier mächtige Mutanten unter seine Kontrolle: Magneto (Michael Fassbender), Psylocke (Olivia Munn), Storm (Alexandra Shipp) und Angel (Ben Hardy). Es ist an Raven (Jennifer Lawrence) und Prof. X (James McAvoy), ein Team junger Mutanten anzuführen, das sich Apocalypse entgegenstellt…

Video-Kritik: Es hat wenig mit Faulheit zu tun, aber ich habe ein ausführliches Review für Deadline geschrieben und ein Video-Review für Filmfressen gemacht – ein Online-Filmmagazin, dass ich mit meinem Kollegen Peter Wichtig am Laufen habe. Hier ist meine Einschätzung in Bild und Ton: Weiterlesen

ZOOMBIES

zoombiesUSA 2016

Regie: Glenn Miller

Darsteller: Kim Nielsen, Ione Butler, Andrew Asper, LaLa Nestor…

Prolog (Trash-Talk): Trash-Filme sind inzwischen hip, mindestens so sehr wie Bärte, enge Jeans und sich mit dem Macbook in den nächstgelegenen Starbucks zu setzen, um dort Selfie-Orgien zu feiern. (Notiz am Rande: selbst die Rechtschreibprüfung des von mir benutzten Programms erkennt das Wort „Selfie“…). Was früher den Nerds und Geeks vorbehalten war, und wofür sie von vielen Seiten verbale schelte bezogen haben, ist mittlerweile absolut im Mainstream angekommen. Dazu zählen Comics, Zombies und eben auch sogenannte Trash-Filme. Hat man sich früher noch mit ein paar Kumpels und Bier vor dem heimischen TV versammelt um die 70er- und 80er-„Perlen“ der lokalen Videothek zu konsumieren, so liefern heute Firmen billig und günstig produzierte Filme (großenteils auch für das TV) am laufenden Band, die sie zudem auch noch ordentlich (als Trash) bewerben. The Asylum hat sich mit Mockbustern und billigen Creature Features ja bereits mit etlichen Produktionen etwa für den SyFy Channel einen Namen gemacht. Was einigen Filmen heutzutage abgeht: manche nehmen sich zu ernst, andere zielen schon im Vorfeld auf ein „Abgekulte“ ab (Sharknado) und verfehlen somit oft ihr eigentliches Ziel: so schlecht zu sein, dass es wieder gut/lustig ist (Beispiel: The Room).

Kritik: Wer auf eine fesselnde Story, Figurenentwicklung, ordentliches Schauspiel sowie beeindruckende Spezialeffekte aus ist, ist bei The Asylum sowieso an der falschen Adresse. Doch die Meister des TV-Mockbuster-Creature-Feature-Trash haben sich in den vergangenen Jahren zu einem unterhaltsamen Lieferanten im Genrebereich gemausert. Nach dem Erfolg der „Sharknado“-Reihe lassen sie bei „Zoombies“ jetzt die Affen aus dem Zoo. Zwar ist auch dieser Beitrag nach allgemeinen Standards kein sauguter Film, er Weiterlesen

He Never Died

heneverdiedUSA, Kanada 2014

Regie: Jason Krawczyk

Darsteller: Henry Rollins, Booboo Stewart, Kate Greenhouse, Jordan Todosey, Steven Ogg…

Kritik: Wer ist Jack? Der scheinbar manisch-depressive und völlig empathielose Eisberg (hier passend verkörpert von Henry Rollins) fristet sein Leben zuhause zwischen Bett und Kühlschrank. Ab und an bekommt er Besuch von ein paar finstere Gestalten, die das Treffen bald darauf bereuen. Denn Jack kann viel einstecken, aber noch mehr austeilen. Und er weiß, dass die meisten Menschen Geld lieben. Aber da verbirgt sich mehr hinter dem grauhaarigen Kerl, der seine Siffbude nur verlässt, um von einem Krankenhausmitarbeiter Päckchen zu kaufen und in seinem Stamm-Diner Tee zu trinken und mit der Kellnerin zu plaudern. Jacks antisoziales, ja fast Weiterlesen

The Walking Dead – Season 6 Finale

Disclaimer: Ich bespreche hier das Finale der sechsten Staffel von „The Walking Dead“. Demnach wimmelt es hier von Spoilern – auch was die Comic-Vorlage betrifft. You have been warned!

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Vorweg: Die sechste Staffel der beliebten Zombie-Serie (ich hätte in meinen Jugendjahren nie damit gerechnet, dass es einmal so etwas geben würde) ist sehr gut. Die Inszenierung ist flüssiger als in den vorangegangenen Staffeln, die Figuren entwickeln sich nachvollziehbar und die Bottleneck-Episode um Morgan ist wohl das Beste, was es bei „The Walking Dead“ bisher zu sehen gab. Und dann kam das Finale, das mit Spannung erwartete, von allen Beteiligten und Fans herbeigesehnte Finale, in dem mindestens eine wichtige Figur aus dem Hauptcast dran glauben soll/sollte/musste. Und wie von den Machern erwartet und prognostiziert, ist das Internet explodiert – allerdings nicht vor Freude. Dass es kontrovers werden würde, war nicht nur den Comic-Kennern klar, halten die Mitwirkenden den Hype doch schon seit Monaten hoch. Doch diese Reaktion kann AMC und Co. nicht gefallen. Völlig zurecht fällt das Finale bzw. die letzte Szene beim Publikum unten durch.

Bis zum Schluss ist die Finale Folge – wie auch das Gros der Staffel – sehr gut inszeniert, spannend und packend: Das Katz und Maus Spiel zwischen Ricks Gruppe und den Saviors gibt es in der Comic-Vorlage nicht und bietet somit auch Kennern ein neues Erlebnis. Die Einführung von Negan als neuem Antagonisten ist ebenfalls gelungen und inszenatorisch vorlagentreu – bis auf seine Sprache, denn im Comic flucht er in jeden Satz mindestens zwei Mal (fuck, shit, cunt…). Und Jeffrey Dean Morgan geht sowieso immer. Aber leider hat er hier (wie ich es aufgrund der derzeitigen Trends erwartet hatte) einen (Dreitage)Bart und ist leider nicht rasiert wie im Comic. Kleinigkeit, aber das hätte ihn noch fieser erscheinen lassen, finde ich. Ok, geschenkt, nicht schlimm. Also, Staffel und Finale bis dahin top. Und dann kommt dieser unnötige Cliffhanger, mit dem sie sich wieder eine Chance verbauen. Wir sehen nicht, wem Negan hier den Schädel zu Brei kloppt, sondern erleben diese exzessive Gewalttat aus der Ego-Perspektive des Opfers. Ok, Bonuspunkte für Kreativität, und treffend inszeniert ist es ebenfalls. ABER: Warum zeigen die Verantwortlichen es dem Publikum nicht? Oder zumindest das Ergebnis? Weiterlesen

Batman V Superman – Dawn Of Justice

bvsUSA 2016

Regie: Zack Snyder

Darsteller: Ben Affleck, Henry Cavill, Jesse Eisenberg, Gal Gadot, Jeremy Irons…

Story: Zwei Wesen des zerstörten Planeten Krypton brachten im Finale von „Man Of Steel“ Zerstörung auf die Erde: Die Kontrahenten Superman (Henry Cavill) und General Zod (Michael Shannon). Der böse Zod wurde geschlagen und der Mann aus Stahl wird fortan entweder als Gott verehrt oder – ob seiner Macht – als Bedrohung für die Menschheit verdammt. Ein gewichtiger Wortführer im globalen Shitstorm gegen Superman ist Bruce Wayne alias Batman (Ben Affleck). Der sorgt – moralisch unterstützt von Butler Alfred (Jeremy Irons) – für Ordnung in Gotham City und ist von den tödlichen Auswirkungen des Gigantenkampfes in der Nachbarstadt Metropolis auch persönlich betroffen. Er stellt sich gegen seinen rot bemäntelten Kollegen, verbal und mit Körpereinsatz. Doch während Batman und Superman kämpfen, taucht eine neue Bedrohung auf, die beide zusammenschweißen könnte und an der das junge Unternehmer-Genie Lex Luthor (Jesse Eisenberg) alles andere als unschuldig ist. Zeit, dass sich die Mitglieder der Heldengruppe Justice League formieren…

Kritik: Die Pressevorstellung war im Vergleich zu anderen rappelvoll, was einerseits natürlich an dem Film und den Erwartungen an ihn liegen dürfte, andererseits wohl auch an der dankbaren Uhrzeit von 19:30 Uhr. Zur Begrüßung hat uns dann Regisseur und Mit-Drehbuchautor Zack Snyder per Einspieler persönlich darum gebeten, nicht zu spoilern – also keine wesentlichen Plot(twist)s zu verraten. Dem möchte ich hier nachkommen. Der Herr sah aber auch echt müde aus in dem kurzen Einspieler – ist wohl ziemlich stressig so einen Riesen-Film auf die Leinwand zu hieven.
sam_r4_v11c3_151002_17mj_g_r709f.362886.tifZunächst möchte ich attestieren, dass es ein cleverer und auch gelungener Clou ist, den Aufreger aus “Man Of Steel” – die Kollateralschäden des Kampfes zwischen Superman und Zod – hier als Aufhänger für den titelgebenden Konflikt zu nutzen. Und ich muss sagen: es funktioniert. Die Menschheit ist zwiegespalten, während die einen das blau-rote Alien für einen Heilsbringer halten, sehen andere den Superman als Bedrohung. Dazu zählt auch Bruce Wayne, der sich bekanntlich als Dark Knight um den Abschaum in Gotham City kümmert. Die Batman-Origin-Geschichte brauche ich – wie viele andere – wohl genauso wenig, wie zum drölfigsten Mal die Vorgeschichte von Spider-Man. Hier verarbeitet man sie glücklicherweise im Vorspann – mit kunstvollen Bildern, die später einen cinematischen Kreis schließen. Sowohl Batman, als auch Superman und sogar Lex Luthor haben eigentlich nur im Sinn die Menschheit zu beschützen. Vor jeweils unterschiedlichen Gefahren, mit unterschiedlichen Mitteln, aber aus ähnlichen moralischen Gründen. Das ist stets nachvollziehbar und läutet den Konflikt der diversen Figuren (Comic)logisch ein. Der Kontrast ist allem voran zwischen den Titelhelden gegeben: Tag gegen Nacht, Alien gegen Fledermausmann, Metropolis gegen Gotham City. Während der eine auf einer Farm aufgewachsen ist und im hellen Metropolis als Journalist seine Brötchen verdient, lebt der reiche Lebemann in der düsteren, verbrechenverseuchten Stadt “nebenan”. Das Ziel ist das gleiche, die Methoden machen sie schließlich zu Feinden. Und wenn diese beiden Comic-Giganten aufeinandertreffen, dann knallt es richtig. Mir ging bei dem Anblick dieser gigantischen Bilder, die zeitweise diverse Comic-Panels, die mich jahrelang begleitet haben, zum Leben erwecken, das Geek-Springmesser in der Hose auf.

Dabei ist die Erzählweise stellenweise holprig und stottert auch hier und da und der ein oder andere wird manches vielleicht als zu konstruiert empfinden. Aber Snyder und Co. haken hier nicht einfach ein Panel nach dem anderen ab, sie erzählen – zumindest stellenweise – eine “neue ” Geschichte bzw. bieten eine neue Perspektive/Herangehensweise. Mehr und flüssiger Plot und (besonders am Ende) weniger Krawumm hätte das Geschehen wohl runder erscheinen lassen. Mal sehen, was der 30 Minuten längere Director’s Cut dahingehend zu bieten hat – hat bei “Watchmen” und “Sucker Punch” (beide ebenfalls von Zack Snyder) zumindest geholfen. Das sind im Ganzen gesehen allerdings letztlich Kleinigkeiten, denn hier wird schon ein größerer Pinsel geschwungen. Es geht um die großen Dinge im Leben: Hoffnung, Rache, Verlust und Zusammenhalt. Darf überhaupt jemand/etwas über der Menschheit stehen? Und wer bestimmt das? Wer ist ein Gott, und ist er/sie/sie es gut? Wer darf so viel Macht haben, und wer darf sich in welchem Umfang und wie dagegen wehren? Aktuellere Fragen gibt es angesichts der derzeitigen politischen Situation weltweit wohl kaum. Und dafür hat Snyder die ideale Bildsprache gefunden. Haarscharf an Kitsch und Pathos dran, malt er große Bilder zu großen Gefühlen und lässt den Konflikt Gut gegen Böse von unseren Kindheits-Helden austragen. Da bin ich gerne Voyeur.

bvs-bvsUnd: Wir haben hier für mich den besten Batman bisher. Kein Scheiß. Affleck ist verbittert wie kein Zweiter und besonders im Kostüm (Frank Miller lässt grüßen!) ordentlich breit. Und einfach nur düster – das ist der DARK Knight. Auch als Bruce Wayne gefällt er mir besser als Christian Bale und sogar als mein Bruce Wayne-Favorit Michael Keaton, der die Rolle mit einer passenden Prise Melancholie erfüllt hat. Bale war mir da insgesamt zu glatt. Hier spüre ich den inneren Konflikt in jeder Geste, in jedem Gesichtsausdruck. Bei Snyders Batman ist er und alles um ihn herum (Gotham) einfach nur richtig finster und man merkt die Wut, die Verzweiflung, diesen unfassbaren Willen. Auch verzichtet das Drehbuch auf allzu lockere Oneliner. Diesen Batman wollte ich immer mal auf Leinwand sehen. Stichwort Production Design: Das Batmobile sowie der Batwing sehen fantastisch aus, von Gothams typischen Gothik-Stil sieht man dafür leider wenig, Metropolis kaufe ich dafür aber komplett ab. Zack Snyder ist zudem etwas gelungen, das bei mir seit dem Christopher Reeve Superman als Kind niemand mehr geschafft hat: Dass ich Superman einigermaßen sympathisch finde und auch seinen Konflikt verstehe. Da drückt er auch ab und an etwas fester auf die Kitsch- und Tränendrüse, aber das ist schon ok so. Als Sahnehäubchen oben drauf, bin ich jetzt auch noch Fan von Wonder Woman – zumindest wenn Gal Gadot sie verkörpert. Sie ist nicht nur unfassbar attraktiv, sondern tritt auch noch ordentlich Arsch. Vor allem als sie das erste Mal in Kostüm auftaucht und dazu das Amazonen-Thema durch die Kinoboxen knallt, gibt es keinen Zweifel, dass Wonder Woman hier angekommen ist.

Die Balance der Figuren stimmt insgesamt, auch wenn ein paar (Neben)Charaktere etwas untergehen, bzw. nur vorkommen, wenn das Skript sie gerade dringend braucht – wie bei Alfred beispielsweise. Das geht aber dahingehend in Ordnung, als dass es sich hier um ein ganzes (Comic)Universum handelt, das sich ja noch ausdehnen wird und mit “Dawn Of Justice” nur am Anfang steht. Ich gehe davon aus, dass wir von diesen Figuren in Zukunft mal mehr oder mal weniger sehen werden, das ist aber auch der Vorlage und deren Erzählstruktur “geschuldet”. Lois Lane bleibt jedoch weitestgehend blass: ist sie anfangs noch auf toughe Journalistin, die sich überall hintraut, wird sie zwischenzeitlich zur Prinzessin Peach von Super Mario Bros. und muss ständig gerettet werden. Gegen Ende erhält sie dann aber wieder ein bis zwei wichtigere Parts. Lex Luthor ist dagegen anfangs gar nicht so nervig, wie er im ersten Trailer gewirkt hat. Leider hält das nicht über die volle Spielzeit an. Gegen Ende driftet Jesse Eisenberg ziemlich in joker-esque Sphären ab und nervt fast nur noch – schade. Denn da wäre – wie beim übertrieben langen und ausufernden Finale – weniger viel mehr gewesen. Und ja, leider sieht Doomsday so bescheuert aus wie im Trailer und gleicht eher einem Höhlentroll aus der „Herr der Ringe“-Trilogie. Dafür teilt er aber ordentlich aus. Für nahezu jeden Negativ-Punkt lässt sich also auch etwas Positives zum Ausgleich finden. Die erwartete Materialschlacht am Ende zieht sich dann aber doch etwas und nimmt solch epische Ausmaße an, dass selbst ein Michael Bay wimmernd in der Ecke liegt. Da knallt es an allen Ecken und Enden. Das macht zwar Laune und wirkt speziell auf der Leinwand – und in Laser 3D – bombastisch. Aber auch nach 20-30 Minuten ermüdend. Da hätte ich mir mehr Details bei den Verknüpfungen der Handlungsstränge gewünscht und weniger Bombast. Aber was haben denn bitte alle erwartet, wen sich Zack Snyder dieser Stoffe annimmt? Und wer hat mit diesen ermüdenden Schlachten angefangen? Transformers und Co., und da nervt es ob der Unübersichtlichkeit auch. Aber früher konnten sich Bats und Supes nicht in diesem Ausmaße auf die Gosche geben, weil es technisch gar nicht möglich war. Da darf man ruhig etwas dankbar sein, wenn diese Optionen nun ausgeschöpft werden können, und Panels zum Leben erweckt werden – in der Art, wie wir es uns früher nicht hätten träumen lassen. Ich hoffe nur, dass Snyder und Co. es nicht auf Biegen und Brechen versuchen werden, den Krawumm-Faktor bei kommenden Filmen noch zu steigern, denn es gibt noch so viel Tolles zu erzählen. Und da darf gerne wieder mehr Fokus drauf gelegt werden – die Materialschlachten deluxe sind für Bay und Co. Aber generell mag man sich als Comic-Fan in den vergangenen Jahren und mit Aussicht auf die kommenden Projekte kaum beklagen.

sam_r7_v6_1_150331_06rl_g_r709f.616311.tifInsgesamt haut Zack Snyder besonders optisch auf die ganz große Kacke und schafft einen bildgewaltigen Comic-Blockbuster, wie wir ihn in dieser Dimension noch nicht gesehen haben. Das macht Laune und lässt narrative Schwächen größtenteils verzeihen. Natürlich passt auch keine detaillierte, feinfühlige Erzählstruktur, wenn es um große und damit plakative Helden, große Bilder und die großen (meist nun mal simplen) Gefühle geht. Und Superman ist nun mal ein plakativer Superheld. Vielleicht wirkt das Ganze im 30 Minuten längeren Director’s Cut noch runder, auch wenn ich mir dann an manchen Stellen wiederum Straffung wünsche. Drei bis fünf End-Szenen brauchte ich schon bei “Der Herr Der Ringe – Die Rückkehr Des Königs” nicht. Naja, ist kein Wunsch-Konzert, aber die Perspektive sieht doch sehr gut aus. Snyder ist jedenfalls ganz tief drin im Universum und er nimmt, reißt uns fast schon leichtfüßig mit. Ein toller Auftakt für die Justice League (ja, es kommen andere Figuren vor!) , besonders freue ich mich auf weitere Auftritte dieses Batmans.

Manu meint: Ikonische Bilder treffen auf eine etwas geschluderte Narrative und (stellenweise zu) viel Bum Bum. Nicht zu vergessen, macht es aber Dank DEM Batman einfach richtig Laune – ich hoffe dennoch auf einen runderen Director’s Cut. Kommt mit 8/10 Fledermäusen noch davon.

 

 

Kino-Review: London Has Fallen

london-fallenUSA, Großbritannien, Bulgarien 2016

Regie: Babak Najafi

Darsteller: Gerard Butler, Aaron Eckhart, Morgan Freeman, Alon Aboutboul, Angela Bassett, Robert Forster, Jackie Earle Haley

Kritik: Der Iraner Babak Najafi hat Antoine Fuqua („Training Day”, „Shooter”) auf dem Regie-Stuhl für das Sequel zu „Olympus Has Fallen“ beerbt und einen Film abgeliefert, an dem sich die Geister scheiden werden. Während für die einen die für einen Kino-Film kompromisslose Härte im Vordergrund steht, dürften einige andere die politische Moral in Frage stellen. Ganz nach dem traditionellen Nachfolger-Motto „höher, schneller, weiter“ setzt Najafi im Vergleich zum Vorgänger zunächst in jeder Hinsicht ordentlich einen drauf. Doch nicht nur dass er in „London Has Fallen“ fast eine gesamte europäische Großstadt in Schutt und Asche legt, es wird in bester und stylischer Choreographie geschossen, gestochen, gemeuchelt, gekloppt, dass es nur so kracht. Dabei ist Secret-Service-Agent Mike Banning (Gerard Butler) speziell bei Kopfschüssen Weiterlesen