Rubber

Frankreich 2010

Regie: Quentin Dupieux

Darsteller: Stephen Spinella, Roxane Mesquida, Thomas F. Duffy

Inhalt: Er liegt unscheinbar in der Wüste, bis er plötzlich zum Leben erwacht. Dann zieht er los und hinterlässt eine lange Blutspur. Die Rede ist von einem Killerreifen, der Allem und Jedem, dem er begegnet, mit psychokinetischen Kräften nach dem Leben trachtet. Doch dieser Killer stellt die Polizei vor ein Rätsel, denn er ist flink, unberechenbar und scheint unbesiegbar.

Kritik: Die Geschichte von einem Reifen, der Menschen mittels psychokinetischer Kräfte menschliche Köpfe zum Explodieren bringt, lässt einen astreinen Trashfilm vermuten. Doch das ist er nur teilweise. Anfangs erklärt uns der nette Sheriff, worum es überhaupt geht: Um nichts. “No reason”, da es so viele Dinge (besonders Filme) gibt, die einfach “no reason” haben. Da er ja recht hat, nicken wir in Gedanken und erfahren daraufhin, dass wir (das Publikum) ebenfalls im Film vertreten sind. Also, Film im Film. Ein Publikum im Film schaut sich die Geschichte des Reifens Robert durch Ferngläser an. Klingt abgefahren, ist es auch, und dabei äußerst unterhaltsam.

Wir (und unsere Vertreter im Film) sehen dem Reifen zunächst bei seiner “Geburt” zu. Er richtet sich auf, das war es schon. Bald darauf fängt er an zu rollen. Wir verfolgen seine Geschichte und fragen uns schon bald “wieso gucke ich einem Reifen dabei zu wie er über Sachen rollt, um diese zu zerstören?”. Aber: Es ist gut inszeniert. Durch geschickte Kameraeinstellungen und passenden Musikeinsatz ist die “Geschichte” des Reifens zu verstehen und es baut sich fast eine Art Sympathie zu dem “Protagonisten” auf. Und da liegt auch die Stärke des Films: Er bricht zwar mit Konventionen, indem das Abgefahrene und Wirre Vorrang hat (die Zuschauer werden direkt angesprochen, der Sheriff erklärt seinen Kollegen, dass es sich “nur um einen Film” handelt etc.). Gleichzeitig hält er uns aber unsere Sehgewohnheiten vor Augen (haha). Er bedient Klischees um an ihnen Kritik zu üben. Ich verstehe es zu jederzeit als Kritik an Hollywood und an “dummen” (bzw. genügsamen) Zuschauern/Filmfans. Die Geschichte ist dabei lediglich ein 0815-Slasher. Die Polizei jagt den scheinbar unbesiegbaren Killerreifen, der Köpfe von Menschen sprengt. Quentin Dupieux spielt aber geschickt mit unserer Erwartungshaltung und reibt uns konsequent unter die Nase, wie einfach man Filmhandwerk anwenden kann, um sein Ziel zu erreichen – selbst mit einem Killerreifen als Hauptdarsteller funktioniert es. Das Kunststück ist es, dennoch einen unterhaltsamen und lustigen Film zu schaffen. Und die Rechnung geht, in Gegensatz zu vielen anderen “Fun”Splattern oder Horrorkomödien, auf.

Rubber ist trashig, lustig, (sozial)kritisch und das alles ohne sich in eine Richtung zu verrennen. Negativ: Die Kills sind zu repetativ. man sieht halt oft explodierende Köpfe. Wahrscheinlich auch eine versteckte Kritik an Hollywood, da die Traumfabrik zu oft das Gleiche produziert. Aber es stört den Sehgenuss dann doch etwas. Rubber ist auch nicht ganz das, was man sich vom Trailer erwünscht. Dennoch wurde ich zumindest positiv überrascht.

Manu meint: Anspruchsvoller Trash. Troma meets Arthaus. Ein Oxymoron, dass einfach funktioniert. Er ist nicht die Splattergranate, er ist nicht zum Totlachen komisch. Aber er ist so abgefahren und eigenständig – etwas besonderes und einfach irgendwie gut. Ich gebe guten Gewissens 7,5/10.

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