Kino-Review: KICK-ASS 2

USA 2013

Regie: Jeff Wadlow

Darsteller: Aaron Taylor-Johnson, Chloë Grace Moretz, Christopher Mintz-Plasse, Morris Chestnut, John Leguizamo, Donald Faison und Jim Carrey…

Story: Mit erbarmungsloser Härte und allen Tricks kämpften Kick-Ass (Aaron Taylor-Johnson) und Hit-Girl (Chloë Grace Moretz) als mutige Amateurhelden gegen die Kriminalität. Ihre Taten sind unter Gleichgesinnten zur Legende geworden und inspirieren eine neue Generation maskierter Verbrechensbekämpfer: Angeführt vom Ex-Mafioso Colonel Stars And Stripes (Jim Carrey) patrouilliert die welterste Superheldentruppe Justice Forever die Straßen und fordert die Kriminellen heraus. Doch Bösewicht Red Mist  (Christopher Mintz-Plasse) schwört unter seinem neuen Namen The Mother Fucker, blutige Rache an Kick-Ass, Hit-Girl und deren neuen Komplizen zu nehmen.

Kritik: Die Geschichte knüpft an den ersten Teil an und hält sich dabei noch näher am Comic. Gut ist der Ansatz, mit einem neuen Regisseur – Jeff Wadlow – zwar eine andere Richtung einzuschlagen, aber gleichzeitig auf logische Folgen einzugehen. Wie entwickelt sich die Superhelden-Bewegung? Was wird aus Hit-Girl? Und wie fällt Red Mists Rache an Kick-Ass aus, der dessen Vater am Ende von KICK-ASS mit einer Bazooka in die Luft gejagt hat? Der Film erzählt drei Geschichten: Wir sehen Dave Lizewski/Kick-Ass, wie er das Superheldentum weiterführen will und sich der Gruppierung “Justice Forever” anschließt, die nicht offensichtlicher an die “Justice League” von DC angelehnt sein könnte. Allerdings sind es hier weiterhin normale Menschen/Bürger, die ihre Stadt verteidigen wollen. Neben Patrouilliengängen und dem Vermöbeln Krimineller mit selbstgebastelten Faustwaffen steht durchaus auch mal eine Schicht in einer Suppenküche auf dem Plan: Superhelden in der realen Welt. Kick-Ass will, dass sich Mindy/Hit-Girl “Justice Forever” anschließt. Ihr neuer Vormund Marcus aber zwingt sie jedoch, Hit-Girl hinter sich zu lassen, um sich auf die Schule zu konzentrieren und das Leben eines “normalen” Teenagers zu leben. Währenddessen verfolgen wir den Aufstieg von Chris/Red Mist zum Super Villain. Dieser hat versehentlich seine Mutter getötet und ihre Fetisch-Kleidung gefunden, die er kurzerhand für sein Kostüm nutzt. Hier bietet der Film einen Vorteil gegenüber dem Comic, in dem Red Mist noch sein altes (langweiliges) Kostüm trägt. Fortan nennt er sich der “Mother Fucker” und schart eine Armee von Bösen um sich, um auf brutalste Art und Weise Rache an Kick-Ass zu nehmen. Dafür schreckt er vor nichts zurück und macht selbst vor der Polizei oder den Ex-Mafia-Kollegen seines Vaters nicht Halt.Der Cast von KICK-ASS 2 ist durchweg gut besetzt und bietet neben den aus dem ersten Teil bekannten Gesichtern etwa Jim Carrey als Colonel Stars and Stripes sowie Donald Faison (bekannt als Turk aus der Serie SCRUBS) als Dr. Gravity. Den Produzenten um Mark Millar (Erfinder des Kick-Ass-Comics) und Regisseur Wadlow gelingt es, die Balance zwischen den drei Geschichten zu halten und dafür zu sorgen, dass die zahlreichen Figuren nicht zu kurz kommen. Doch das Wichtigste ist: KICK-ASS 2 unterhält. Action-Szenen wie die, in der Mother Russia alleine eine etwa zehn Polizisten auf sehr kreative Weise erledigt (besser als im Comic!) sowie der Shoot-Out auf dem Friedhof und die anschließende Verfolgungsjagd besitzen den nötigen Drive und lassen es ordentlich krachen. Auch der Humor ist ähnlich wie im Erstling von coolen Sprüchen und unzähligen Comic- und Filmreferenzen geprägt. Die Formation um den “Mother Fucker” heißt die “toxischen Mega-Fotzen” und der Mother Fucker kommt im Film eher als Witzfigur rüber. Das macht den Film gegenüber dem Comic etwas lustiger und bunter, doch der FSK war das anscheinend noch düster genug: sie vergab vor kurzem “keine Jugendfreigabe”. Doch hinter der Maske der Action, der lockeren Sprüche und der abgefahrenen Charaktere geht es bei der Geschichte von KICK-ASS 2 im Großen und Ganzen darum, dass die Figuren sich selbst und den Sinn ihres Lebens finden. Mindy wird gezwungen, Kostüm und Maske abzunehmen um normal zu sein, während Dave seine Berufung in seinem Alter Ego Kick-Ass sieht und Gutes tun will. Die “Justice Forever”-Mitglieder “Remembering Tommy” etwa versuchen den Verlust ihres kleinen Sohnes Tommy zu verarbeiten und sehen in der Gruppe eine Art Zufluchtsort und Therapiemöglichkeit. An einigen Stellen kommt auch Sozialkritik bezüglich Selbstjustiz und Polizeigewalt zur Sprache. Einige düstere Elemente der Comic-Vorlage wurden aber nicht übernommen – etwa die Vergewaltigung von Daves Flamme Kate (im Film wird seine neue Freundin Night Bitch vermöbelt und die Vergewaltigung scheitert daran, dass der “Mother Fucker” nicht performen kann). Im Comic gehen der “Mother Fucker” und seine Crew noch kompromissloser zur Sache und schrecken auch nicht davor zurück, Kinder zu töten.

Den Drive verliert KICK-ASS 2 allerdings nicht nur mit den aufgezwungenen Teenie-Film Episode mit Mindy (andere Zielgruppe, sorry), sondern auch deshalb, weil der titelgebende “Held” immer noch am Anfang seiner “Karriere” steht und die meiste Zeit die Hucke vollkriegt. Wir müssen Kick-Ass wieder beim Training sehen und den Held beim seinem “Aufstieg” begleiten. Alles schon mehrfach bei THE DARK KNIGHT RISES, IRON MAN 3 sowie vor kurzem bei WOLVERINE und weiteren Superhelden-Filmen abgefrühstückt. Er hat doch schon in KICK-ASS Seite an Seite mit Hit-Girl gegen Mafiosi gekämpft, hier schafft er es anfangs nicht mal gegen normale Straßengangster.

Bei aller Ausgewogenheit, die Regisseur Wadlow hier zwischen den drei Geschichten und den Figuren schafft, fehlt stellenweise die Frische und das Tempo des Erstlings. KICK-ASS wirkt runder, während KICK-ASS 2 vielleicht ein bis zwei Themen zu viel unterbringen will und sich daran über die gesamte Spielzeit letztlich doch etwas verhebt.

Manchmal wird es – angesichts der gezeigten Brutalität etwas heuchlerisch – zu politisch korrekt. Etwa wenn Colonel Stars and Stripes seine Kollegen ständig dazu auffordert nicht zu fluchen. Im Comic wird das zwar erwähnt, hier zieht es sich wie ein ständiger Warnhinweis durch die Spielzeit.Manu meint: Das Sequel ist die logische und konsequente Fortführung von KICK-ASS, die obwohl mehr auf die Geschichte der Figuren fokussiert, in den Action-Szenen und humoristisch glänzen kann. Das Tempo und die Frische seines Vorgängers erreicht KICK-ASS 2 zwar nicht, dennoch gibt es 113 Minuten Unterhaltung, die der Comic-Vorlage letztlich doch noch treuer sind als so manch anderer Vertreter. Und in manchen Szenen sogar überlegen. 7/10.

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