ELYSIUM

USA 2013

Regie: Neill Blomkamp

Darsteller: Matt Damon, Jodie Foster, William Fichtner, Sharlto Copley, Alice Braga, Diego Luna, Faran Tahir…

Story:  Im Jahr 2159 gibt es zwei Sorten von Menschen: die Superreichen, die auf einer makellosen, von Menschen gebauten Raumstation namens Elysium leben, und den Rest, der auf der überbevölkerten, heruntergewirtschafteten Erde haust. Die Menschen auf der Erde setzen alles daran, der hohen Kriminalitätsrate und der großen Armut, die auf dem Planeten herrscht, zu entkommen. Und sie benötigen dringend den hohen Standard medizinischer Versorgung, den es nur auf Elysium gibt. Doch einige Leute auf Elysium schrecken vor nichts zurück, um rigide Anti-Einwanderungsgesetze durchzusetzen und den luxuriösen Lebensstil ihrer Elite zu bewahren. Der einzige Mensch, der die Chance hat, so etwas wie Gleichberechtigung in diese beiden Welten zu bringen, ist Max, ein ganz normaler Mann, der verzweifelt versucht, nach Elysium zu gelangen. Während sein Leben an einem seidenen Faden hängt, übernimmt er widerwillig eine gefährliche Mission. Eine Mission, bei der er gegen Elysiums Ministerin Delacourt und ihre Hardliner-Truppen antreten muss. Doch falls er gewinnt, kann er nicht nur sein eigenes Leben retten, sondern auch das von Millionen Menschen auf der Erde.

Kritik: Der zweite Film ist für einen Regisseur ähnlich schwierig wie das zweite Album für eine Band. Offensichtlich kaum ein Problem für Neill Blomkamp, der nach dem Überraschungshit “District 9″ (völlig zurecht) mit “Elysium” DEN Blockbuster des (zugegebenermaßen recht schwachen) Kino-Sommers auf die Leinwand bringt. Alle Markenzeichen aus “District 9″ sind vertreten: Die geniale Kamera, eine vernünftige Geschichte, exzellent inszenierte Action (diesmal noch blutiger) und einen fantastisch aufgelegten Cast. Neben Damon und Foster ist Sharlto Copley dabei, der in “District 9″ noch den (Anti)Helden gespielt hat. Hier mimt er in nahezu einzigartiger Spiellaune den Antagonisten – fast schon mit Hang zum Over-Acting. 

Der Film legt ein ausgezeichnetes Tempo vor, das er bis zum Schluss halten kann. Das Drehbuch ist dabei simpel aber effektiv. Binnen weniger Minuten sind Figuren und Rahmenbedingungen etabliert, ohne unnötig viele Worte zu verlieren. Als Protagonist kommt – wie im Erstling – ein Antiheld zum Einsatz. Max will zunächst gar ncht die Welt befreien, seine Motivation liegt in seinem eigenen Wohl. Als Rahmen fungiert ein Problem in seiner letzter Konsequenz, mit dem sich der Zuschauer identifizieren kann und das auch in der Gegenwart real ist: die Armen als Arbeiter im Verhältnis zu den Reichen auf dem künstlichen Weltraum-Eiland “Elysium”. Gleichzeitig etwas, das noch zum Problem werden könnte: Menschen verrichten Maschinenarbeit, während Roboter immer humanoider aussehen und gleichzeitig passend emotionslos und ohne es zu hinterfragen eine Nulltoleranzpolitik ausüben, die die sozial Schwachen unterdrücken und möglichst weit weg aus ihrer heilen Welt halten soll. Eine weitere elementare Stärke ist aber die Balance, die Blomkamp perfekt beherrscht. So sehr es in den dynamischen Action-Szenen kracht und zischt, so sehr legt er Wert auf die Inszenierung der Geschichte und des Dramas. Die Figuren verhalten sich zu jedem Zeitpunkt glaubwürdig und nachvollziehbar. Max weiß wie der Zuschauer nicht immer, wer gerade Feind oder wer Freund ist, die Seiten wechseln schon mal genauso wie die Grenzen nicht immer klar erkennbar sind. So schreibt man Drehbücher. Hier hat alles Seele. Ein Film für Leute, die nicht nur konsumieren, sondern auch fühlen wollen. Und dafür muss der Love-Interest nicht mal künstlich in den Vordergrund geschoben werden. Da können sich Michael Bay und Co. unzählige Seiten abschneiden.

Bei allem Lob gibt es auch ein paar Kleinigkeiten zu bemängeln. Die Oneliner wirken gerade im Endkampf sehr aufgesetzt und unnötig. Einige Zufälle und kreuzende Wege wirken stellenweise unglaubwürdig. Einige technische Errungenschaften werden gar nicht erklärt, sondern einfach vorausgesetzt. Das alles stört aber nicht den Gesamteindruck, den “Elysium” hinterlässt. Da hat ein großer Regisseur wieder einen großen Film gedreht. Diesmal mit mehr Budget und bekannten Gesichtern aus Hollywood.

Manu meint: Blomkamp jetzt noch bloß Talent zu attestieren wäre so verspätet wie untertrieben. Nach “District 9″ und “Elysium” müssen erstmal andere zeigen, was im Sci-Fi-Action-Segment noch geht. “Transformers” und “Avatar” spielen Dame (und das nicht mal gut), während Blomkamp weiterhin Schach meistert. 9/10.

 

2 Gedanken zu “ELYSIUM

  1. Ich hab den Film gestern auf Blu-ray gesehen und kann dir fast komplett zustimmen:
    Alte Geschichte, frisch, dynamisch und unterhaltsam inszeniert.
    Dramaturgisch ist Elysium stellenweise leider etwas unbeholfen und das wird schlimmer, je näher das Finale rückt. Dafür entschädigt die einwandfreie, detailverliebte Optik (trotz obligatorischer Lens Flares, deren Sinn sich mir sowieso entzieht) und die mitreißenden Actionszenen. Top-Unterhaltung!
    Danke für die Empfehlung!

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