DVD-Review: Bad Boy Bubby

Australien 1993

Regie: Rolf de Heer

Darsteller: Nicholas Hope, Claire Benito, Carmel Johnson, Ralph Cotterill

Story: Der 35-jährige Bubby wird von seiner Mutter in einer fensterlosen 2-Zimmer-Wohnung gehalten, ohne jemals die Außenwelt erblickt zu haben. Die Mutter erzählt ihm, es sei Giftgas in der Luft, weshalb er drinnen bleiben müsse. Sie selbst hingegen verlässt die Wohnung tagsüber mit einer Gasmaske. Wenn sie daheim ist, behandelt sie Bubby wie einen kleinen ungezogenen Jungen, quält und misshandelt ihn, hat auch Sex mit ihm. Bubby, etwa auf dem geistigen Niveau eines Kleinkindes, kennt nichts anderes. Als eines Tages Bubbys Vater zurückkehrt, gerät seine Welt aus den Fugen: Der Vater – ein Priester – behandelt ihn ebenfalls sehr schlecht und nimmt ihm zusätzlich auch noch seine Mutter weg. Bubby sieht den Ausweg darin, seine Eltern zu töten. Ihm steht nun der größte Schritt seines Lebens bevor: Der Schritt nach draußen.

Kritik: Ein Film, der wie eine griechische Tragödie aufgebaut ist, nur andersherum abläuft. Der schuldlos Schuldige, durch Inzest mit der Mutter verkorkste Bubby ist der tragische Held, der sich erst durch den Mord an seinen Eltern aus seinem Gefängnis befreien und die Welt draußen kennenlernen kann. Ungewollt – weil durch die Augen eines Kindes, das er ist – hält er dabei der Gesellschaft konstant einen Spiegel vor. Er lernt auswendig, was er von anderen Menschen hört und gibt es (meist ziemlich passend obwohl unwillkürlich) in anderen Situationen einfach wieder.

Die exzellente Performance von Nicholas Hope trägt dazu bei, dass Bad Boy Bubby einen in den Bann zieht und (wenn auch meist auf ziemlich gestörte Art und Weise) begeistert. Die knappen zwei Stunden merkt man kaum, so schnell scheint dieser filmische Trip wieder vorbei zu sein.

“There is no God. There can be no God; it’s ridiculous to think in terms of a superior being.”

“Bad Boy Bubby” schlägt nicht ganz so roh und heftig in die Magengrube wie beispielsweise “Ex-Drummer, aber jeder Treffer sitzt. Und die hat Regisseur Rolf de Heer ganz gezielt gesetzt. Es ist nicht nur eine Kritik an der Gesellschaft und dem teils gedanken- und rücksichtslosen Handeln seiner Akteure (uns!). So menschenverachtend der Anfang bei seiner Mutter “zuhause” sein mag, umso lebensbejahender entwickelt sich (Bad Boy) Bubby bishin zu einer Art “Happy End”, das in der Form kaum zu erwarten war. Am weitesten holt der Film jedoch gegen Religion und Gott aus. Bubbys Vater, der bis zu Beginn des Filmes nichts von seinem degenerierten 35-jährigen Sohn wusste, ist Priester. Im Namen Gottes bzw. mit der Androhung von Strafe durch ihn wird Bubby unwissend und unmündig gehalten. Auch die (vermeintlich religiösen) Eltern seiner späteren Freundin schmücken sich mit und verstecken sich gleichzeitig hinter dem Christenkreuz. Sünde wird weggebetet, Doppelmoral gilt als Standard. Bubby beweist, dass ein Mensch der Verantwortung für sich selbst übernimmt – und auch ohne gute Erziehung und ohne den Glauben an Gott und Religion – ein guter Mensch sein/werden kann.

“It’s our duty to think God out of existence. It’s our duty to insult him. Fuck you, God.”

Manu meint: Mindfuck trifft auf Sozialkritik und ein Rundumschlag gegen Religion und Gott. Starke Bilder, Nicholas Hope in der Rolle seines Lebens. Künstlerisch und keine Kunst der Kunst wegen. Nicht gewollt, sondern gekonnt. Für Fans von Ex-Drummer und Trainspotting. 9/10

 

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