Mailand oder Madrid… Hauptsache Italien (Teil 1)

Hintergrund: Zu meinem 30. Geburtstag haben mir meine Freunde Christoph und Peter einen Kurztrip per Blindbooking geschenkt. Vor kurzem haben wir die Würfel geworfen und es sprang Milano heraus, was auf Deutsch so viel heißt wie Mailand. Eine Stadt in der keiner von uns zuvor war. Das kann doch nur in die Hose gehen…. Oder?!

Zunächst hätten uns beinahe die Streiks der Lufthansa (wir sind mit der Tochter Germanwings geflogen) einen Strich durch die Rechnung gemacht. Lautet das Klischee doch “der faule Italiener”, so sind es die deutschen Piloten, die sich mit etwa 255.000 Euro im Jahr unterbezahlt fühlen und bereits mit 55 Jahren weich auf dem Rentner-Sofa landen wollen. Was taten sie, um das zu erreichen? – Die Arbeit einstellen. Bravo, das nenne ich “dolce vita”. Doch es sollte noch unser Vorteil werden, denn anstatt abends zu fliegen, konnten wir bereits am Mittag starten und hatten somit mehr Urlaubszeit. Dann allerdings mussten wir vom Düsseldorfer Flughafen starten, was von Köln aus mit der Bahn 11,30 Euro kostet – doch das Kapitel Deutsche Bahn und ihre Preise ist ein anderes, das ich bewusst mal auslasse.

Und zack! Berlin

In Mailand (Flughafen Malpensa) angekommen ging es per Zug zum Hauptbahnhof Mailand – Fahrtzeit etwa eine Stunde. Von dort aus war es dann aber mit dem Handgepäck fußläufig nicht mehr weit bis zu unserem Hostel, das “Music Hotel” heißt und eigentlich ein Bed & Breakfast ist. Also nichts mit Kochen und damit günstiger Verpflegung. Denn: Mailand ist unfassbar teuer. Italien ist in der Krise, aber das Touristen und vor allem Biertrinker hier dermaßen zur Kasse gebeten werden ist schon anmaßend. Aber das Motto lautete: “Scheiß drauf – Mailand ist nur ein Mal im Jahr”. Das hieß für uns am ersten Abend in ein englisches Pub in der Nähe, denn wir wollten auch Fußball (Euro League Viertelfinale) gucken und wir kannten noch nicht viel anderes. “… sieben Mark für’s Bier und auf’n Becher gab’s kein’ Pfand…” sang einst Olli Schulz. Im Beda Housemussten wir sechs Pfund für ein Pint zahlen. Da erscheinen die Preise in Köln wieder wie gemalt. Hervorheben möchte ich an dieser Stelle die kompromisslose Hilfsbereitschaft, die und gegenüber gebracht wurde – selbst nachdem man auf die Frage “where are you from” ehrlich zugab “from Germany”. Ein Mann, der nur italienisch und arabisch konnte, hat uns persönlich zur ersten Kneipe begleitet. Dort rief eine nette ältere Dame im Beda House an, um zu fragen, ob sie denn Fußball zeigen würden und erklärte uns in astreinem Englisch daraufhin den weg dorthin. Wir stammelten ein “mille grazie”, auf das die Dame lächelnd nur mit “mille prego” antwortete. Völkerverständigung kann so einfach sein, wenn es um Alkohol geht.

Christoph und Peter vor dem English Pub Beda House

Gut ausgeschlafen ging es am Folgetag zunächst einkaufen (Brot, Aufschnitt und viel Wein) und danach mit der Metro ins Zentrum. Mailand verfügt über ein ausgetüfteltes Metro-Netz: alle fünf Minuten kommt ein Zug, zudem ist der Transport vergleichsweise günstig – 48 Stunden durch Mailand für knapp zehn Euro. Die Haltestelle “Duomo” (Dom) hält, was der Name verspricht und verwöhnt  – vorausgesetzt am richtigen Ausgang ausgestiegen – mit einem Blick auf den wirklich schönen Mailänder Dom. Als Wahlkölner: Natürlich nicht so schön wie der Kölner Dom, aber ne schicke Kapelle. Betreten darf man das Kunstwerk übrigens nur mit langen Kleidungsstücken (Shorts und T-Shirts sind verboten und werden mit einer Dauerkarte für den A.C. Mailand geahndet) und als Gläubiger. Vor lauter Verwunderung, dass ich beim Eintritt nicht zu staub zerfallen bin, habe ich sogar zwei Euro bezahlt, um innen fotografieren zu können. Doch mit meinem Schnappschuss-Apparat war nicht viel zu holen.

Mailänder Dom

Völlig fasziniert war ich (neben all den kunstvollen Gemälden und Gebilden natürlich) von einem Kran, der mitten im Dom geparkt war. Ein surreales Bild, das mich direkt gepackt und sofort zum Kran-Fan gemacht hat. Und siehe da, es gab noch einen Kran im Dom und wenn man erstmal mit offenen Augen (für Kräne) durch Mailand läuft, entdeckt man so einige. Schnell wurde Mailand für mich zur Stadt der Kräne und ich fühlte mich in den Vierteln, in denen weniger gebaut wurde, direkt unwohler. Doch das war zum Glück nicht oft der Fall.

Nach einer Tour zu weiteren touristischen Attraktionen – ja, wir haben voll auf Kultur gemacht – wie dem Schloss und dem Park und dem Bogen, führte uns der Weg zum San Siro Stadion, der Heimat des A.C. Mailand sowie Inter Mailand. Am nächsten Tag wollten wir zum Spiel Inter vs. Bologna und uns auf gut Glück schon mal Tickets besorgen, doch der Schalter war bereits geschlossen. Wir hatten offenbar zu viel Zeit mit Biertrinken, im Park hängen und Fast Food (wie gesagt: fast alles außer McDonald’s und Burger King ist extrem teuer) vertan.

Kran im Dom - ein Prachtstück!

Wieder im “Music Hotel” wurde der Wein angestochen, und er floss in Strömen. Jeder, der auf der Terrasse (direkt vor dem Eingang) vorbeikam – egal ob Mitarbeiter oder Gast – wurde von uns auf ein bis zehn Gläser eingeladen. Bis die Flaschen leer und alle Beteiligten voll waren. Es entstand eine illustre Gruppe aus uns (Deutscher, Halb-Spanier, Halb-Portugiese), fünf Französinnen, vier Belgierinnen, einer Italienerin, diversen Ägyptern und einem Israeli. Völkerverständigung ist tatsächlich so einfach. Wenn Alkohol im Spiel ist. Irgendwann wurden wir dann auf unser Zimmer gescheucht, wo die Party für uns (und zumindest akustisch auch für einen Großteil der Nachbarn) weiterging. Rangeln inklusive. Beweise gibt es nicht. Zum Glück.

Im zweiten Teil nehme ich Leser gerne mit auf unseren Besuch im San Siro…

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