Kino-Kritik: X-Men – Days of Future Past

USA 2014

Regie: Bryan Singer

Darsteller: Hugh Jackman, James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence, Patrick Stewart, Ian McKellen…

Story: In der Zukunft stehen die Mutanten kurz vor dem Aussterben, weil sie von den Sentinels gejagt und getötet werden. Deshalb arbeiten die Gegner Magneto (Ian McKellen) und Charles Xavier (Patrick Stewart) zusammen – ihr Plan sieht vor, den Terror durch die Sentinels gar nicht erst zuzulassen. Dazu schicken sie Wolverines (Hugh Jackman) Bewusstsein mit Hilfe von Kitty Pryde (Ellen Page) in die Vergangenheit, da sein Körper der einzige ist, der einer solchen Zeitreise standhalten kann. Im Jahr 1973 soll Wolverine eine Tat Mystiques (Jennifer Lawrence) verhindern, die den Bau der Sentinels erst möglich machte; der Eingriff würde also die Zukunft im Sinne der Mutanten verändern. Doch dafür muss Wolverine erst ein Team aus Mutanten zusammenstellen – was sich als schwierig erweist. Denn der junge Charles Xavier (James McAvoy) etwa ist in einem miserablen psychischen Zustand und auf seinen ehemals besten Freund Eric/Magneto (Michael Fassbender) alles andere als gut zu sprechen.

Kritik: Bryan Singer kehrt nach “X-Men 2″ wieder zu dem Franchise zurück, das er damals so positiv geprägt hat. Gab es zwar nach dem ausgezeichneten Reboot-Start von “X-Men: First Class” nicht unbedingt Verbesserungsbedarf, so tut es dem “neuen” Erzählstrang dennoch gut, einen etwas anderen Ansatz zu verfolgen als der Erstling. Singer greift den bei Comic-Lesern so bekannten wie beliebten Story-Arch “Days of Future Past” auf, variiert ihn aber von der Figurenkonstellation etwas und führt die alte X-Men-Garde perfekt mit dem neuen Cast zusammen. So viele Figuren, Zeitreise und so viele Stars, kann das gut gehen…? Oh ja, kann es. Und das sind auch gleich die unübersehbaren Stärken von “X-Men: Days of Future Past” (DoFP). Die Geschichte ist sowohl spannend (erzählt) als auch jederzeit nachvollziehbar. Da die Figuren bekannt sind, verstehen wir ihre Beweggründe, und die ergeben für jede Partei einfach Sinn. Ehrlich: Anfänger sollten draußen bleiben und erstmal einige Stunden an den Vorgänger-Filmen sowie Comiclektüre konsumieren. Das ist kein Geek/Nerd-Gelaber. wer nicht versteht, warum Wolverine in der Vergangenheit Knochen-Klauen hat, sollte Nachsitzen, da vieles andere auch sinn- und zusammenhanglos erscheinen wird. Zudem gelingt Synger das, was Joss Whedon schon in “The Avengers” hervorragend geschafft hat – eine ausgewogene Balance zwischen den Figuren. Nur anstatt fünf Helden, bringt er hier bestimmt 20 oder mehr Marvel-Mutanten unter einen passenden Hut, von denen jeder seinen Teil beiträgt – Figuren wie Xavier und Magneto sind ja sogar in beiden Timelines vertreten. Zudem ist der Cast mit Patrick Stewart, Ian McKellen, James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence, Hugh Jackman etc. einfach brillant besetzt – Spielfreude bei jedem Einzelnen inklusive. Technisch ist DoFP ebenfalls auf ganz hohem Niveau, die Effekte sind bombastisch (Baseball-Stadion) und man glaubt sowohl die 1970er Jahre als auch die etwas spartanisch geratene Zukunft.

Spielten bei “First Class” neben der Mutanten-Geschichte noch die Geschehnisse in den USA der 1960er Jahre eine Rolle, rücken die Ereignisse der 1970er hier etwas in den Hintergrund. Es gibt aber mehr als genug Anspielungen und kleine Lacher (Klamotten und Autos, High-8-Filmaufnahmen, Nixons Doppel-V-Geste sowie sein Kasettenrekorder im Oval Office). Auch diese Kleinigkeiten tragen einfach zu einem stimmigen Gesamtbild bei.

Es gestaltet sich wirklich schwierig, ein Haar in der Suppe zu finden. Einzig das Design der 1970er-Jahre Sentinels ist mir übel aufgestoßen. Die sehen aus wie irgendwelche Apple-Schrott-Produkte und entsprechen eben nicht der optischen Vorlage. Und natürlich könnte man sich mal wieder den Aufschlag für 3D sparen. Bis auf räumlich Tiefe bringt es hier erneut nichts. Die herausgeschnittenen Szenen von Rogue und Storm vermisst man nicht, es ist auch so einfach rund, da werden sich diverse Leute etwas bei gedacht haben. Auch der Verdacht, dass sich die Geschichte als zu Wolverine-lastig entpuppen wird, bestätigt sich zum Glück nicht. Eine größere Rolle – neben Xavier und Magneto natürlich – spielt Mystique. Und diese Partei bringt nochmal richtig Würze in die Story.

Insgesamt ist DoFP wirklich genauestens getimt, setzt die emotionalen Beats an der richtigen Stelle, bedient das Geek/Nerd-Herz und unterhält einfach die komplette Spielzeit lang. Jeder drohende Spannungsabfall wird durch ein neues (unvorhergesehenes) Ereignis wieder wiederaufgehoben. Zusätzlich gibt es, wie in den Vorgängern auch schon, Platz für Allegorien, Interpretationen der verschiedenen (Meta)Ebenen und reichlich Bezug zum realen Leben. Das hebt (vor allem) die neue X-Men-Reihe von anderen Comic-Verfilmungen hervor. Es knall wie bei “The Avengers”, hat zudem aber auch einen gewissen Tiefgang, der einem aber nie das Lachen verdirbt.

Manu meint: “X-Men: Days of Future Past”  ist eine sehr gute Comic-Verfilmung mit Tiefgang und funktioniert zudem als erstklassiger Science-Fiction-Film. Ein Film von Fans für Fans mit cleverer Geschichte, der das Geek-Herz höher schlagen lässt. Schön, dass wir Zeiten solcher Comic-Adaptionen leben, in denen viel Budget für ordentliche Effekte und erstklassige Darsteller investiert wird. Ein weiterer Punkt für das X-Men Franchise. Your move, Whedon. 9,5/10

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