Kino-Kritik: Mortdecai

USA 2014

Regie: David Koepp

Darsteller: Johnny Depp, Gwyneth Paltrow, Paul Bettany, Ewan McGregor…

Story: Der einfallsreiche Kunsthändler Charlie Mortdecai (Johnny Depp) hat eine wunderschöne Frau (Gwyneth Paltrow) an seiner Seite und lebt wie ein König – nur leider ist er auch pleite. Da kommt es ihm nur gelegen, dass ein kostbares Gemälde gestohlen wird und Inspektor Alistair Martland (Ewan McGregor) ausgerechnet ihn damit beauftragt, bei der Suche zu helfen. Mortdecai denkt sich: Wenn er das Bild schon ausfindig machen kann, dann könnte er es doch bei der Gelegenheit und mit Hilfe seines getreuen und unheimlichen Dieners (Paul Bettany) auch gleich selbst behalten. Fehlt nur noch ein ausgeklügelter Plan und natürlich viel Glück, denn die Konkurrenz in Form eines international gesuchten Terroristen und eines habgierigen, amerikanischen Milliardärs schläft nicht…

Kritik: Von dem neuesten Johnny Depp-Vehikel habe ich nicht viel erwartet, und genau das bekam ich auch geboten. Leider, denn dabei war ich bereit, den Film gut zu finden. “Secret Window” (Das Geheime Fenster) markiert die letzte Zusammenarbeit zwischen Depp und Regisseur David Koepp und gleichzeitig auch den letzten Film mit Depp, der mir wirklich gefallen hat. Das war 2004… Die Buchvorlage kenne ich nicht, aber ich traue mich da jetzt auch gar nicht mehr ran. Denn:

Einen großen Fehler begehen Regisseur und Drehbuchautoren damit, ihre Hauptfigur Charlie Mortdecai (Johnny Depp) nicht ernst genug zu nehmen und sie ständig der Lächerlichkeit Preis zu geben. Alle Beteiligten machen keinen Hehl daraus, dass sie Johnny Depp unfassbar geil finden und zeigen das in jeder Szene überdeutlich. Auffällig deutlich. Nervig deutlich. Seine Figur ist ein Potpourri aus nahezu all seiner Tim-Burton-Figuren, und das kann und will ich mir einfach nicht mehr geben. Depp ist in den vergangenen Jahren zum Grimassenschneider degradiert worden – das Filmplakat sagt bereits alles – und das tut (mir) weh. Hier spielt er zwar mit etwas weniger Schminke, dafür aber mit einem Schnauzbart, dem eine viel zu wichtige Rolle zukommt, inklusive des nervigsten Running Gags seit Langem. Von der Ankündigung, dass es sich hier um einen cleveren Kunstdieb oder gar Teilzeitgauner (so der deutsche Zusatztitel) handelt, bleibt – bis auf den Schluss vielleicht – nichts übrig. Mortdecai ist selten mehr als ein unfähiger Trottel, der nur mithilfe seines P.A.s Jock (Paul Bettany – sehr sympathisch) überhaupt überleben kann. Das mag manch einer liebenswürdig finden, ich finde es nervig. Zudem kaufe ich ihm keine Sekunde den Lebemann ab, den er darstellen soll. Gywneth Paltrow überzeugt als vermeintlich eiskalte, dominante Gattin wesentlich mehr.

Der Stil orientiert sich auffällig an Wes Anderson und Tim Burton, schafft aber selten ein wirklich so homogenes Bild. Kamera und Schnitt sind sich zudem oft zu uneinig, sodass MORTDECAI hauptsächlich zerfahren wirkt. Die Gags sind fast ausnahmslos platt und bietet nicht den britischen Humor, den ich mag. Es herrscht Slapstick und die eingestreute Gewalt ist völlig deplatziert. Das fängt schon mit der Eröffnungsszene an, die mich irgendwie auffallend an die Restaurant-Szene in Indiana Jones und der Tempel des Todes erinnert.

Wesentlich schlimmer ist aber, dass das ganze Treiben trotz der wilden und bunten Ortswechsel und der eingestreuten Action einfach keinen vernünftigen Pace hat. Die Geschichte lief meist an mir vorbei und ich freute mich hauptsächlich auf die Szenen mit Mortdecais lustigem Butler/Sidekick, die größenteils gelungen sind. Sonst dominieren Langeweile, Belangloses und alberner Spökes. Da können auch die bunten Masken und Kostüme nicht drüber hinwegtäuschen. Nur ab und an glänzen vereinzelte Figuren mit cleveren Kommentaren/Pointen – zu wenig. Der Rest ist Grimassenschneiderei Depps, viele falsche britische Akzente und ein lahmer Plot. Gibt es alles in besser und britischer und ich frage ich ernsthaft, wen das heutzutage noch begeistern soll. Vielleicht hätte man das von Briten mit britischen Schauspielern machen sollen. Nur schlecht ist MORTDECAI nicht, aber er lässt den Zuschauer unbefriedigt zurück. Ein netter Happen, der aber nicht ansatzweise satt macht, und sich maßlos selbst überschätzt.

Manu meint: Mal abgesehen davon, dass mich Johnny Depps Overacting mittlerweile nur noch nervt, kann ich mich an keinen Film mit ihm in den letzten zehn Jahren erinnern, der wirklich überzeugen konnte. Um es in der momentanen Social-Media-Sprache zu sagen: #Je ne suis pas Charlie (Mortdecai)… 2,5/10

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