In aller Kürze: Triple-Review – “Carol”, “Soul Kitchen”, The Revenant”

carol-posterCAROL (2015)

Regisseur Todd Haynes verzichtet in diesem Liebesdrama zwischen zwei Frauen in den USA der 1950er Jahre glücklicherweise auf Polemik. Der Fokus auf die Figuren und deren Liebe steht dem elegant inszenierten Arthaus-Drama gut zu Gesicht. Gerade gegen Ende hin, fehlt es „Carol“ aber an Zug; es ist zwar schmerzlich schön und dramatisch, aber die Charaktere geben letztlich zu wenig (Entwicklung und auch Aktionen) her. Im Fokus bleibt die Liebe, die es besonders in einer so patriarchischen Gesellschaft zwischen zwei Frauen schwer hat(te). Die schöne Cate Blanchett spielt gewohnt fantastisch, während sich Rooney Mara speziell gegen Ende zu sehr auf ihren süßen Audrey Hepburn-Look verlässt. 7/10

soulkitchenSOUL KITCHEN (2009)

„Soul Kitchen“ ist eine Ode an die Loser, die das Leben und ihre Liebsten lieben. Gleichzeitig aber auch an die Stadt Hamburg; nicht an die leuchtenden Neo-Hipster-Viertel, sondern den Hafen mit seinen Charakteren. Es geht um Loslassen (können) und neue Herausforderungen (anzunehmen), das meist aus Sicht des Restaurant-Besitzers Zinos (Adam Bousdoukos). Der Film findet leider nicht die richtige Balance zwischen Main- und Subplot (Coming of Age, Familien- oder Liebesdrama), lebt dafür von seinen interessanten Figuren. Leider gibt es davon fast schon zu viele, sodass „Soul Kitchen“ oft der Fokus fehlt. Lachen und Mitfiebern kann/darf man dennoch nach Belieben und Langeweile kommt auch nicht wirklich auf. Nicht „Lammbock“ oder „Bang Boom Bang“, aber 6/10.

 

revenant-leoTHE REVENANT (2015)

Was erwartet man von einer Kollaboration von Alejandro González Iñárritu („Birdman“) mit Leonardo Di Caprio („Wolf of Wall Street“), Tom Hardy („Bronson“, Legend“) und Kameramann Emmanuel Lubezki („Gravity“, „Birdman“)? Genau, großes Kino. Und das bekommen wir hier auch geboten, wenn wir den beinharten Überlebenskampf von Scout Hugh Glass (Di Caprio) so hautnah miterleben, dass wir uns im Kinosessel kaum sicher fühlen. Nach einer brutalen Bärenattacke (was für eine Szene!) wird Glass vom kaltblütigen John Fitzgerald (Hardy) in der Wildnis zurückgelassen; doch Glass beißt sich (im wahrsten Sinne des Wortes) durch, um Rache zu üben. Vor allem der Kampf Mensch gegen Natur ist roh, hart, aber auch künstlerisch inszeniert. Intensiver kann man einen Film kaum erleben, dazu tragen auch die umfangreichen und nahezu ballettartigen Kamerafahrten bei, die ein wohliger Kontrast zu den hektischen Schnittmassakern des Mainstreamkinos sind. Vielen Dank an alle Beteiligten für dieses Kinoerlebnis. 9/10

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