Deadpool – Video-Review

deadpool-posterUSA 2016

Regie: Tim Miller

Darsteller: Ryan Reynolds, Ed Skrein, Morena Baccarin…

Story: Wade Wilson (Ryan Reynolds) ist Soldat in einer Spezialeinheit und Söldner. Als er von seiner Krebserkrankung erfährt, unterzieht er sich einem riskanten Experiment im Labor des skrupellosen Ajax (Ed Skrein). Danach sieht er hässlich aus, hat aber Selbstheilungskräfte – und weil Wades Freundin Vanessa Carlisle (Morena Baccarin) von Ajax verfolgt wird, gleich auch eine Mission. Er schlüpft in einen rot-schwarzen Anzug mit Maske und versucht als Deadpool, seinen Erschaffer auszuschalten. Allerdings geht Deadpool dabei anders vor als andere Menschen mit Superkräften. Die offensichtlichsten Unterschiede sind sein pechschwarzer Humor, sein bissiges Mundwerk und seine Angewohnheit, sich direkt ans Filmpublikum zu wenden. Außerdem ist Freundin Vanessa keine passive Prinzessin, die auf Rettung wartet, sondern rettet sich ganz gut selber – ähnlich wie Deadpools Kumpanin Negasonic Teenage Warhead (Brianna Hildebrand), eine junge Frau mit explosiven Fähigkeiten…

Kritik: Ich bin großer Fan der Deadpool-Comics und habe mich seit der ersten Ankündigung einer (adäquaten) Verfilmung vor Freude eingenässt. Hier gibt es aus Zeitgründen mal ein Video-Review, bald folgt wohl aber auch eine detailliertere schriftliche Bewertung…

Und wer doch auch noch Spaß am Lesen hat, bitteschön:

Besonders für Deadpool-Fans waren die Erwartungen an diese Verfilmung unglaublich hoch. Verstärkt wurden sie noch durch die clevere, lustige sowie zur Vorlage passenden Marketing-Strategie im und auch außerhalb des Internets. Und dadurch, dass Hauptdarsteller Ryan Reynolds – nach der verkorksten Deadpool-Variante in „X-Men Origins: Wolverine“ – versprochen hat, sich (auch als Produzent) mit der Darstellung so nah wie möglich an den Original-Comics zu halten.

Ich nehme es vorweg: Wenn es um Vorlagentreue geht, ist Deadpool die beste Comic-Verfilmung bisher. Kein Witz, das hier ist der Real-Deal. Es gibt alberne Gags und zweideutige Sprüche am laufenden Band, überdrehte Action und fourth-wall-breaks – und sogar fourth-wall-breaks in den fourth-wall-breaks. Fans werden direkt abgeholt und bekommen Deadpool zum Einstieg im Kostüm in kompromissloser Action geboten. Neulinge erhalten die nötige Origin-Story dann zeitnah in Rückblenden, werden sich sicher jedoch ebenfalls schnell mit dem Held wider Willen anfreunden können. Deadpool ist nicht gut gegen böse, sondern böse gegen noch böser.

Im Vergleich zur vorigen Deadpool-Darstellung agiert der „Merc with a mouth“ nun seinem Namen entsprechend und darf nach Herzenslust fluchen (was ja besonders auf dem US-Markt für ein R-Rating bereits reicht). Zudem tötet Wade Wilson aka Deadpool – im Gegensatz zu den X-Men –seine Gegner. Das wiederum führt zu Konflikten mit den X-Men, die hier übersichtlich aber nicht weniger durchschlagkräftig durch Colossus und Negasonic Teenage Warhead vertreten sind. Sie versuchen Deadpool zu überzeugen, sich den X-Men anzuschließen, dafür muss er sich aber ändern: nicht fluchen und nicht töten. Doch genau das macht Deadpool hier – entsprechend der Vorlage – pausenlos und mit Vorliebe. Ein weiterer Seitenhieb in Richtung der Kassenschlager-Franchises. Unser „Held“ macht sich über alles und jeden lustig. Gleichzeitig leiden wir aber auch mit ihm, wenn die Liebe zu seiner Vanessa aufgrund seiner Krebserkrankung zerbricht. Als „geheilter“ Mutant fürchtet er dann, er sei zu hässlich für sie und wir fühlen mit. Einfach weil die Beziehung zwischen den beiden auf der Leinwand Spaß macht – auch wenn sie kurz und hauptsächlich in Montagen erzählt wird. Dabei gibt es die wohl lustigsten und gleichzeitig freizügigsten Liebes/Sex-Szenen der bisherigen (und wahrscheinlich auch künftigen) Marvel-Kino-Historie. Auch Wilsons Rachegedanken gegen den sadischten Ajax sind jederzeit nachzuvollziehen. Der hat nämlich Wade zwar vom Krebs geheilt, ihn dabei aber furchtbar gequält, letztlich jedoch zu Deadpool gemacht. Zwar bleiben die Beweggründe von Ajax dagegen etwas im Dunkeln, aber bei Deadpool-Comics ging es ja auch noch nie um ausgefeiltes Storytelling.

Zurück zur Action: Auch wenn es viele Money-Shots schon in den diversen Trailern zu bewundern gab, weiß Deadpool stets zu überraschen und noch einen draufzusetzen. Angefangen von dem herrlich selbst-ironischen und auch visuell ansprechend umgesetzten Intro, über jegliche Meta-Ebenen bis zu lustig-brutal-kreativen Kills: Deadpool bereitet Spaß, während oder weil er gleichzeitig der Mainstream-Blockbuster-Unterhaltung ungeniert in den Hals kackt. Jeder kriegt sein Fett weg. Neben der DC-Comics-Adaption Green Lantern (ebenfalls mit Ryan Reynolds in der Hauptrolle), müssen auch Hugh Jackman und die X-Men (ebenfalls Fox) ordentlich einstecken. „Warum sehe ich immer nur Euch zwei, obwohl das so ein Riesenhaus ist? Hatte das Studio nicht genügend Geld?“ fragt Deadpool etwa, wenn er bei Xaviers Schule anklopft, um Colossus und Negasonic Teenage Warhead zu kontaktieren. Der Merc with a moth spricht somit oft auch Gedanken des Zuschauers aus und nimmt sich selbst bzw. das ihn produzierende Studio Fox aufs Korn – meterweise Meta-Ebenen also.

Diese Vorlagentreue zieht Deadpool von der ersten Sekunde bis zur Post-Credit-Szene konsequent durch – und alleine dafür verdienen Fox und Reynolds eine Extra-Portion Respekt. Noch nie wurden Fans so kompromisslos bedient wie hier. Dabei wechselt das Genre zwischenzeitlich gekonnt zwischen Action-Komödie, Liebes-Drama und Horror-Film – Langeweile kommt in den knapp zwei Stunden nicht auf. Man kann nur hoffen, dass Deadpool kein Flop wird. Er könnte für das Fox-Marvel-Universum werden, wie für Disney/Marvel Iron Man, Avengers oder Guardians Of The Galaxy. Für die Zukunft wünsche ich mir dann endlich einen R-Rated Wolverine (vielleicht mit Tom Hardy als Logan?) und einen neuen Punisher sowieso. Aber vielleicht kann mich Jon Bernthal entgegen meiner Erwartungen ja doch noch in der zweiten Staffel von Daredevil als Frank Castle überzeugen. Bis dahin bleibt Deadpool das Maß aller Dinge.

Manu meint: Ryan Reynolds und Fox haben hier alles richtig gemacht und die vorlagentreueste Comcverfilmung bisher geschaffen. Vielen Dank, das war bitter nötig. Marvel/Disney, ich hoffe, Ihr habt das aufmerksam verfolgt. Deadpool kriegt von mir 10 von 10 Chimichangas.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>