Billige Tricks und Innovationsmangel: Der Auftakt zur 7. Staffel „The Walking Dead“

Zum Finale der 6. Staffel von „The Walking Dead“ (TWD) habe ich mich ja bereits an dieser Stelle über die billigen Tricks der Schreiber ausgelassen, und wie ich in dem Zusammenhang einen immer immanenteren Qualitätsverlust der Serie – speziell im Vergleich zur Vorlage – beobachte. Konnte denn nun der Auftakt der 7. Staffel versöhnen? Nein. Nein, nein, nein, nein. Derselbe Mangel an Kreativität setzt sich fort und die Macher haben das eigentliche Ziel – eine spannende und interessante Geschichte zu erzählen – weitestgehend aus den Augen verloren. Weil sie sich mit ihren Nebelkerzen offenbar selbst geblendet haben.

Massive SPOILERS ahead! – you have been warned.

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Ja, wir kriegen gezeigt, wen Negan mit seiner Lucille ins Jenseits geschickt hat. Aber zunächst werden wir erneut hingehalten. Es wird krampfhaft dieser völlig überflüssige und kontraproduktive Cliffhanger der 6. Staffel in die Länge gezogen. „Das erzeugt Spannung“, scheinen sich die Macher gedacht zu haben. Nein, es nervt. Die Spannung generiert sich nicht daraus, zu (er)raten, wen es denn getroffen hat – schließlich handelt es sich nicht um ein Murder-Mystery. Allerdings ist „The Walking Dead“ nun endgültig zur Seifenoper verkommen, bedient sich die Serie ja größtenteils derer Tricks bzw. Erzählweise. Ursprünglich bezieht die Serie (im Comic) die Spannung daraus, wie die Figuren in solchen Situationen reagieren bzw. wie sie damit umgehen. „Wie entwickelt sich die Menschheit?“ – ist dabei eine ganz zentrale Frage.

Nun ja, es trifft bei Negans Bestrafung zu Beginn von Staffel 7 vorerst Abraham. Ja, ich hatte damals geschrieben „unwahrscheinlich“. Einfach weil ich der Meinung war/bin, dass es billig ist, ihn zuerst zu verschonen (mit dem Pfeil durchs Auge wurde ja jemand anderes getötet – in der Vorlage war es eben Abraham) und dann letztlich doch zu opfern. Zumal „TWD“-Erfinder Robert Kirkman ja bereut hat, diese Figur im Comic so früh sterben zu lassen. Dann folgt ein widerliches Anbiedern bei den Comic-Fans: Denn frei nach dem Motto „dann geben wir Euch halt noch zusätzlich das, was Ihr kennt (und deshalb wohl ausgeschlossen habt) und mögt“, kriegt es dann zusätzlich Glenn ab. Und zwar genau wie im Comic – Bild für Bild, inklusive derselben Dialoge. Ist das faul… und wieder haben uns die Macher genarrt: „Damit habt Ihr nicht gerechnet, was?“, scheinen sie uns durch die „Mattscheibe“ zu verhöhnen. „Wir bringen sogar zwei um. Und dann auch noch den, mit dem ihr am wenigsten gerechnet habt, eben weil es in der Vorlage schon so war. Muahahaha…“ Toll, dreht uns doch eine Nase. Das ist genau diese selbstverliebte Art, die auch schon dazu geführt hat, dass die dritte Staffel von „Sherlock“ im Vergleich zu den vorangegangenen so dürftig war.

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Dann folgt das absolut Höchste an Inkonsequenz: Die Andeutung, dass Daryl als Nächster dran ist. Ist er natürlich nicht, da der absolute Fanliebling, wie immer bisher, safe bleibt. Wie langweilig, wie eierlos, wie vorhersehbar. Dabei hätte man damit die Fans der TV-Serie richtig schocken können. Und zudem noch austesten, ob sie denn wirklich den Aufstand wagen. Aber nein, erst einen auf großer böser Bär machen und dann klammheimlich in die Höhle verkriechen. Weil man einen Fan-Aufstand befürchtet? Lächerlich. Ich hätte mich gefreut. Dann die nächste Andeutung: Rick soll Carls arm amputieren. Muss er letztlich aber doch nicht – vielleicht zu teuer, ihn die ganze Zeit per CGI den Arm wegzuretuschieren. Ja, ich werde gehässig, aber die haben angefangen, und jetzt werde ich genauso kindisch und albern wie die „TWD“-Schreiberlinge. Geht es denn nur noch darum, die Zuschauer an der Nase herumzuführen? Offensichtlich zu einem großen Teil.

All diese Finten sind billige (Schreiber)-Tricks, deren einzige Konsequenz daraus besteht, zu entlarven, wie faul und inkonsequent die Schreiber eigentlich sind. Das fällt vielen wahrscheinlich nicht auf, man lässt sich gerne blenden und – wie in dem Fall auch – verarschen. Vielleicht würde ich es auch nur halb so schlimm finden, wenn ich nicht eine bessere Alternative in Form der Vorlage kennen würde. Ich würde mich doch auch so gerne blenden lassen, aber ich kann nicht. Und vor allem will ich nicht mehr. Es geht kaum mehr darum, eine gute und spannende Geschichte zu erzählen, sondern nur noch darum, den Zuschauer zu narren. Ständig sollen wir raten, wer als nächstes stirbt. Dabei war das nicht der ursprüngliche Punkt der Serie. Nebelkerzen zünden und Watercooler-Diskussionen entfachen sind inzwischen das Hauptanliegen. Antäuschen, zurückziehen und weglaufen ist das Mittel der Schreiber. Wie eine Rabona im Fußball: ganz nett anzuschauen, aber meist völlig sinnfrei und zusammenhangslos. Oh Moment, wenigstens braucht man dafür Skills/Fähigkeiten. Na gut, dann halt noch ein Übersteiger, und noch einer, aber letztlich doch den Ball verlieren. Das Team bedankt sich…

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Manu meint: Ich gucke die Serie fast nur noch aus Gewohnheit. Und weil ich mich offenbar gerne darüber aufrege. Dieses Mal kam es sogar mit Ansage. Immerhin kann ich mich noch drüber aufregen und mich deshalb umso mehr an meinen Comics erfreuen. Und es jedem ins Gesicht reiben. Genau wie die „TWD“-Schreiber. Ätschibätsch.

P.S. Außen vor bleiben hier sämtliche schauspielerischen Leistungen – allen voran die Jeffrey Dean Morgans. Das sind die einzigen Lichtblicke, und die Beziehung zwischen Rick, Negan und Carl wird noch sehr interessant. Aber die Art bisher…

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