FFF White Nights 2017: The Night Watchmen

night watchmenUSA 2016

Regie: Mitchell Altieri

Darsteller: Ken Arnold, Dan Deluca, Kevin Jiggetts, Kara Luiz, Max Wilbur, James Remar, Matt Servitto…

Story (aus dem Programmheft): Es ist Justins erster Abend im neuen Job, und schon wünscht er sich, er hätte die Stelle als Nachtwächter in der „Baltimore Gazette“ besser nicht angenommen. Nicht nur, dass seine Kollegen ihn einem menschlichen Kegeltest unterwerfen und ihn stoisch mit falschem Namen anreden – es scheint auch so, als hätte der ganze Trupp im Keller des Bürokomplexes einen an der Waffel: Ken lässt den Ex-Marine raushängen, Jiggetts ist süchtig nach Donuts und Luca soll angeblich mal drei Leute umgebracht haben. Zu allem Überfluss legt das Redaktionsteam eine Nachtschicht ein und ein mysteriöser Sarg landet irrtümlich in der Tiefgarage. Dieser enthält einen Vampir … im Clownskostüm! Erst einmal in Freiheit macht sich das blutdürstige Monster mit seinen quietschenden Schuhen sofort über die Belegschaft her und während die Infektion rasend schnell um sich greift, sehen sich unsere heldenhaften Nachtwächter einer wachsenden Armee aggressiver Kreaturen gegenüber.

Kritik: Die lustigen „Splatter-Granaten“ wussten in den vergangenen Jahren auf den Veranstaltungen des Fantasy Filmfests oftmals nicht zu überzeugen – sie scheiterten entweder an dem unfairen Vergleich mit „Braindead“, meist aber einfach am Drehbuch und einem fehlenden Fingerspitzengefühl in der Inszenierung. Ausnahmen wie „Deathgasm“ beispielsweise bestätigen gerne die Regel. Wie sieht es nun mit den „Nightwatchmen“ aus, die sich gegen „Killer-Vampir-Clown-Zombies“ beweisen müssen? Dramaturgisch kann der Film nichts, ist billig gefilmt, schlecht geschnitten und von hinten bis vorne wegen des stümperhaften Drehbuchs sinnlos. Warum der Clown Blimpo in Rumänien umkommt und zum Obervampir mutiert? Egal. Was das mit anderen Clown-Vampiren zu tun hat, die wesentlich seltener vorkommen als es die Filmbeschreibung vermuten lässt? Noch egaler. Handlung oder Spannungsbogen? Ich bitte Euch… Und trotzdem bereitet „The Nightwatchemen“ den Großteil der Spielzeit Spaß. Und zwar genug, um nicht frühzeitig abzuschalten bzw. den Saal zu verlassen. Alles sieht nach Gurke und Möchtegern-Splatter-„Spaß“ aus, wie man ihn zuhauf in den Wühltischen diverser Kaufhäuser findet. Doch Mitchell Altieri macht etwas Wesentliches sehr richtig, was ihn von der schwachen Konkurrenz wesentlich unterscheidet und über sie hinaushebt: Neben lustigen Figuren mit individuellen und stets unterhaltsamen Eigenarten bringt „The Nightwatchmen“ zudem das ideale Maß an Meta-Ebene mit. Er weiß in welchem Genre er sich bewegt und an welchen Machwerken er sich bedient, und macht zu keinerzeit einen Hehl daraus. Wie erfrischend. Denn im Gegensatz zu anderen Genre-Vertretern, die sich hauptsächlich mit altgedienten dummen Sprüchen über die Laufzeit retten, passen hier Timing und Inhalt der Dialoge wie Arsch auf Eimer. So geht Comedy, das dürfen sich gerne auch die „Schweigerhöfers“ dieses Landes mal merken. Und das verleiht „The Nightwatchmen“ ein ungewöhnliches Potential an Sympathie, die er angesichts der sonstigen technischen wie handwerklichen Schnitzer eigentlich gar nicht verdient haben dürfte.

In den Gewaltszenen hätte dieser FUN-Splatter (mit Betonung auf „FUN“) aber noch expliziter ausfallen dürfen. In den Action-Baller-Szenen dafür auch gerne übersichtlicher. Die Story hätte mehr Erklärungen und Hintergründe zu den Vampiren vertragen – was hat es mit den Clowns auf sich??? Wenn der Spaß das zum Großteil aber übertünchen kann, macht der Film mehr richtig als falsch, und das ist verdammt viel wert. Dafür ist das FFF ja auch da, denn so einen unterhaltsamen doofen Film bekommt man so schnell wohl nicht mehr auf der Leinwand zu sehen.

Manu meint: Low Budget und low quality ergeben hier aufgrund des Fun-Faktors und der gelungenen Meta-Ebene kurioserweise genug Spaß, um die erste positive Überraschung des Festivals zu werden. 6,5/10

 

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>