Night Of The Virgin / El Noche Del Virgen – Blu-Ray/Mediabook-Kritik

night-virginSpanien 2017

Regie: Roberto San Sebastián

Darsteller: Javier Bódalo, Miriam Martín, Rocío Suárez…

Story: Nico (Javier Bódalo) ist unbeholfen und hat ein Übergebiss – so ganz entspricht er der klassischen Vorstellung eines Frauenhelden also nicht. Da verwundert es auch nicht, dass er noch eine Jungfrau ist, obwohl er schon lange über 20 Jahre alt ist. Trotzdem gibt er sich entschlossen und holt sich eine Abfuhr nach der anderen ab. Aber heute, in dieser Silvesternacht, soll sich alles ändern und Nico seine Unschuld verlieren. Und tatsächlich trifft er zu später Stunde auf die deutlich ältere Medea (Miriam Martín), die ihn prompt zu sich nach Hause nimmt. Dort soll es endlich passieren – das erste Mal Sex! In seiner Geilheit übersieht Nico aber zahlreiche Warnsignale: Kakerlaken in der Bude? Egal! Eine versiffte Küche und ein Kelch voller Blut? Was tut man(n) nicht alles für ein wenig körperliche Intimität. Schon bald muss Nico feststellen, dass weit mehr auf dem Spiel steht, als nur seine Jungfräulichkeit…

Kritik: Was macht manch ein junger Mann nicht alles, um seine Unschuld zu verlieren? Zum Beispiel folgt er – wie in „El Noche del Virgen“ – einer (G)MILF in ihre versiffte Wohnung, in der Hoffnung endlich einen Stich zu landen. Loser Nico, der weder sonderlich erfahren noch clever ist, stellt sich dort aber saudämlich an und taumelt in ein sexuelles Hexenritual, das allerlei Körperflüssigkeiten von ihm verlangt und Körperöffnungen strapaziert. Das erste Mal ist bei vielen ja kein sonderlicher Höhepunkt (no pun intended) in ihrer sexuellen Historie, aber was Regisseur Roberto San Sebastián seinen Figuren und damit seinem Publikum für einen nervenzehrenden Alptraum aus Sperma, Kakerlaken und Fäkalien vorsetzt überschreitet einige Grenzen des „guten Geschmacks“. Ein Kammerspiel der Perversitäten, das man sich kaum unterhaltsamer und spaßiger ausmalen kann, angesichts der Widerwärtigkeiten, die der Spanier hier auf die Leinwand bzw. den Monitor schmiert.

Der Film ist keinesfalls scheiße und nicht annähernd ein Griff ins Klo (again: no pun intended!), denn er schafft es auf begrenztem Raum die Figuren wirken zu lassen, mit ihnen zu fiebern – und vor allem zu leiden. Neben den Sympathien für die Charaktere und deren nachvollziehbaren Motive, überzeugt „Night Of The Virgin“ mit einem eigenartigen Humor, der zwischen albern und bizarr schwankt, aber somit im Kontext genau den richtigen Nerv trifft. Das Explizite und Extreme dient dabei nie dem Selbstzweck, ist immer Teil der Geschichte und hilft bei der letztlichen Katharsis. Das Ganze ist dazu noch ästhetisch eingefangen. Ein Horrorfilm, wie er nicht für jedermann ist, sondern für Fans des Extremen, das abseits des Mainstreams lauert und einen fickt, auffrisst und wieder auskotzt. Und genau deshalb einer der besten Horror-/Ekel-/Splatterfilme der jüngsten Zeit für mich.

Manu meint: Wenn Ekel und Splatter nicht zum Selbstzweck verkommen, sondern ein fähiges Team in Zusammenarbeit mit überzeugenden Schauspielern ein bitterböses wie schwarzhumoriges Kammerspiel kompetent in die Fresse inszenieren, bedeutet das klare 9/10 Punkten.

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