Nur Gott Kann Mich Richten

gottDeutschland 2018

Regie: Özgür Yildirim

Darsteller: Moritz Bleibtreu, Kida Ramadan, Edin Hasanovic…

Story: Ricky (Moritz Bleibtreu) hat vor fünf Jahren nach einem misslungenen Überfall seinen Kopf hingehalten für seinen Halbbruder Rafael (Edin Hasanovic) sowie für seinen guten Freund Latif (Kida Khodr Ramadan). Frisch aus dem Gefängnis soll Ricky für seine lange Leidenszeit hinter Gittern entschädigt werden: Latif bietet ihm einen letzten und vermeintlich todsicheren Coup an, der allen Beteiligten viel Geld einbringen soll. Ricky zögert zunächst, willigt dann jedoch ein und holt sogar Rafael wieder mit ins Boot. Bei ihrem letzten Ding scheint zunächst alles gut zu laufen, doch dann taucht die Polizistin Diana (Birgit Minichmayr) auf und durchkreuzt den Ausstiegsplan der Jungs. Es entbrennt ein gefährliches Katz-und-Maus-Spiel, das alle in den Abgrund reißen könnte…

Kritik: Jenseits der funkelnden Wolkenkratzer der Frankfurter Skyline zeichnet Regisseur und Drehbuchautor Özgür Yildirim ein extrem düsteres, kompromisslos-brutales und nahezu hoffnungsloses Drama in der Main-Metropole. Hier ist ein Menschenleben wenig bis nichts wert, Drogen und das Wort der Straße umso mehr – und bleihaltige Argumente. Yildirim pickt sich die Rosinen aus den vergangenen 40 Jahren Gangster-Film heraus und erzeugt ein wildes, packendes wie brutales Gangster-Drama in der deutschen Finanzmetropole. Die einzelnen Elemente dürften Genre-Fans bekannt vorkommen, dennoch darf man sich auf Spannung, Drama und Action freuen. Jede Figur hat hier ein nachvollziehbares Motiv, es gibt nicht nur gut und nur schlecht – hier haben fast alle Dreck am Stecken, scheitern aber so häufig am Versuch, den Scheiß hinter sich zu lassen.

Konterkariert wird das taffe Leben der Klein- bis Großkriminellen, das etwas zu häufig in einem Bleihagel endet, nur von der emotionalen Beziehung zwischen seiner Figur Ricky und seinem Vater, der von Peter Simonischek verkörpert wird. Überhaupt ist „Nur Gott Kann Mich Richten“ kein Feelgood-Film: Wer nicht gerade krumme Dinger geht, um Schulden bei der Mafia zu bezahlen, der leidet an einer tödlichen Krankheit. Und so gleicht der mitreißende Film, der ein hohes Erzähl-Tempo vorlegt, am ehesten einer griechischen Tragödie.

Hier treffen bekannte Versatzstücke aus diversen B-Gangster-Filmen auf spielfreudige Darsteller, angeführt von Moritz Bleibtreu. Dabei schwankt Yildirim zwischen Authentizität und Over-the-top-Inszenierung, nimmt aber die Welt, die er zeichnet und seine Figuren stets ernst. Als Ausnahme möchte ich hier die Polizistin Diana erwähnen, die einerseits die alleinige Erziehung ihrer Tochter sowie Schichtdienst unter einen Hut bekommt, aber gleichzeitig der Meinung ist, mal eben 2,5 Kilogramm Heroin auf der Straße verticken zu können.

Eine Milieu-Studie ist „Nur Gott Kann Mich Richten“ wahrlich nicht, will das aber auch an keiner Stelle sein. Harte Genre-Kost aus deutschen Landen, die eine Welt zeigt, die so ähnlich zumindest nicht ganz so tief unter der Oberfläche großer Städte zu finden scheint, dagegen schon eher. Was das Alles jedoch mit Gott zu tun hat, ist mir ein Rätsel. Bis auf ein paar Anspielungen an Läuterung und dass Ricky religiöse Tattoos hat (die nur in zwei Szenen zu sehen sind) gibt es keine Hinweise, keine Symbolik – und auch sonst wenig Tiefgang. Doch das ist voll ok, denn der Unterhaltungswert stimmt.

Für die Startwoche war der Film ziemlich schlecht besucht. Ich wage mal zu behaupten, dass der Streifen als Ami-Produktion mit Johnny Depp o.ä. in der Hauptrolle hierzulande ein wesentlich besseres Ergebnis erzielen würde. Was ich sehr bedauere. „Nur Gott…“ ist kein grandioser Film und gewinnt vor allem keinen Innovationspreis, ist aber sehr gute B-Film-genre-Ware.

Manu meint: Nicht innovativ, aber ein packendes wie brutales Gangster-Drama, das wahrscheinlich ein paar Genre-Films verpassen werden, weil es eben ein deutscher Film ist. 7/10

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