Die Zeugen Jehovas vs die Mafia

Wie bei vielen anderen Bürgern auch, haben die Zeugen Jehovas schon mehrfach an meiner Tür geklingelt und wollten mit mir über Gott reden. Da ich nicht jedes Mal die Zeit – und vor allem die Muße – dazu habe, zu erklären, dass und warum ich Atheist bin (“Gott sei Dank” wähle ich gerne als witzigen und auflockernden Zusatz), habe ich mir ein überschaubares, aber effektives Repertoire an “Abwimmel-Sprüchen” aufgebaut. Nun bin ich aber nicht immer geistesgegenwärtig und muss ab und an auf mein (begrenztes) Improvisationstalent zurückgreifen.

Als ich etwa 15 war, sah das noch so aus: An einem Samstagmittag klingelten die dreisten Hirnwäscher mich aus dem Bett. Völlig verkatert und mit zerzauster Mähne (damals hatte ich langes Haar, wie es sich eben für einen Metaller gehörte) öffnete ich völlig verdattert die Tür. “Wir möchten mit Ihnen über Gott sprechen”, brachte eine Dame ihr Mantra überraschend frisch herüber. Ich bemerkte unsere Katze, die gelangweilt zwischen meinen Füßen umherstreifte, und reagierte – als hätte der Allmächtige es mir in den Mund gelegt – mit: “Tut mir Leid, ich muss erst die Katze opfern.” Es gab zwei Mal einen lauten Knall: ein Mal als die Kinnladen der Zeugen heruntersauste und als ich die Tür mit finsterer Mine vor ihren Augen ins Schloss schmiss. Meinen kleinen Auftritt untermauerte passenderweise ein “Marduk”-Shirt, auf dem sich eine Nonne genüsslich ein Kruzifix zwischen die Schenkel schiebt.

In den vergangenen Jahren habe ich Mormonen, Zeugen, Scientologen etc. immer wieder mit einem höflichen – aber nie freundlichen – “nein, danke” abgespeist und schnell die Türe geschlossen. Das war ähnlich wirksam wie gegen GEZ-Mitarbeiter. Vor Kurzem gab es eine erneute Begegnung mit den Zeugen, auf die ich aber nicht vorbereitet war. Nichtsahnend ging ich im Home Office meiner Arbeit nach, bis die Klingel diese unterbrach. Auf ein Paket freuend näherte ich mich Luftsprünge machend der Tür und musste ernüchternd feststellen, wer meinen Arbeitsfluss gerade unterbrochen hatte. “Guten Tag, wir sind die Zeugen Jehovas…” Mit dem höflich, aber nicht freundlichen, “kein Interesse” hatte ich keinen echten Erfolg, denn einer der Kameraden war wissend und zeigte auf mein Namensschild. Er las vor: “Manjo.” (So würde man meinen – ursprünglich italienischen – Nachnamen Magno italienisch vollkommen korrekt aussprechen). “Sie sind Italiener. dann sind sie doch ein gläubiger Mensch?!” Ich wollte nicht erklären, was ich von Religion und dem allgemein gültigen Gottesbild halte und da fiel mir folgender Satz ein: “Ich bin Sizilianer. Und wir mögen Zeugen generell nicht.”

Sicher, ein Kalauer, ein Klischee, aber für eine Improvisation durchaus amüsant, wie ich finde. Fanden die Damen und Herren vor meiner Tür wohl nicht, aber aus den offenen Mündern kam auch nichts mehr, was ich vernehmen konnte, bevor ich die Tür mit ernstem Gesichtsausdruck und diabolischem Grinsen schloss. Mir bereitet so etwas Freude.

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