So war es bei Kettcar in Köln

“Kettcar. Hallo.” Mehr braucht es als Begrüßung von Sänger / Gitarrist Marcus Wiebusch nicht. Das E-Werk in Köln ist somit schon in Stimmung und bereit für 100 Minuten feinsten Rock-Pop (ich vermeide im Zusammenhang mit Kettcar absichtlich Wörter wie Indie oder Alternative) mit der besten deutschen Lyrik, die ich kenne.

Das teils gemischte Publikum bestand wie immer und wie zu erwarten hauptsächlich aus Philosophiestudenten im 35 Semester, Sozialpädagogen und Ökos. Das unterstelle ich an dieser Stelle zumindest einfach. Mit einem Unterschied: noch älter als sonst. Aber das könnte natürlich auch daran liegen, dass meine Freunde und ich auch älter geworden sind (a shot in the dark). Einer meiner Freunde hat es passend zusammengefasst: “Ich möchte mit keinem hier befreundet sein, geschweige denn etwas zu tun haben.” Aber ich komme mal zu dem wesentlich wichtigeren Teil:

Als Opener kommt etwas unüberraschend – aber dennoch sehr beeindruckend – der Opener des neuen Albums “Zwischen den Runden”: “Rettung”. Darauf folgt der bereits etablierte “Hit” “48 Stunden”, den fast das komplette Publikum wie immer textsicher mitsingt. Was soll ich sagen? Eine Band, die vier Top-Alben herausgebracht hat, hat nicht viel mehr übrig, als nur Hits zu spielen. Vier Alben, bei denen sich die Band immer treu geblieben ist, obwohl stets neue Elemente ihren Einsatz fanden. Dennoch möchte ich die Songauswahl hervorheben: Ich habe wirklich nichts vermisst und mich besonders über “Wäre Er Echt” (Laut Wiebusch seit 7 Jahren nicht mehr live gespielt) gefreut.Trotz neuem Album musste man nicht auf “Im Taxi Weinen”, “Ausgetrunken”, “Am Tisch” (mit live Trompete) oder auf “Ich danke der Academy” verzichten.

Zwei Zugaben á zwei Songs sind zwar nicht wirklich “Rock’n’Roll”, aber wir wollten es ja nicht anders. Zudem finde ich “Landungsbrücken Raus” einen gelungeneren Abschluss für ein Konzert als “Balu”, der bei den vergangenen Touren den Schlusspunkt markierte.

Es ist kein Wunder, dass mich Kettcar wieder einmal live überzeugt haben. Bühnenpräsenz haben die schüchternen Hamburger seit jeher und auch die Lichtshow hinterließ Eindruck bei mir. Und Wiebusch singt meines Erachtens besser als zuvor. Negativ fand ich lediglich den Snare-Drum-Sound: zu dumpf und basslastig, was besonders bei den “rockigeren” Passagen in “Matsch-Sound” resultierte.

Manu meint: Kettcar lohnt sich immer, ob auf Platte oder live. Kein Wunder, dass die Tour nahezu komplett ausverkauft ist. Eine authentische Band, die jeden ihrer Songs so intensiv rüberbringt, als sei es das erste Mal. So muss es sein.

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