Billige Tricks und Innovationsmangel: Der Auftakt zur 7. Staffel „The Walking Dead“

Zum Finale der 6. Staffel von „The Walking Dead“ (TWD) habe ich mich ja bereits an dieser Stelle über die billigen Tricks der Schreiber ausgelassen, und wie ich in dem Zusammenhang einen immer immanenteren Qualitätsverlust der Serie – speziell im Vergleich zur Vorlage – beobachte. Konnte denn nun der Auftakt der 7. Staffel versöhnen? Nein. Nein, nein, nein, nein. Derselbe Mangel an Kreativität setzt sich fort und die Macher haben das eigentliche Ziel – eine spannende und interessante Geschichte zu erzählen – weitestgehend aus den Augen verloren. Weil sie sich mit ihren Nebelkerzen offenbar selbst geblendet haben.

Massive SPOILERS ahead! – you have been warned. Weiterlesen

The Walking Dead – Season 6 Finale

Disclaimer: Ich bespreche hier das Finale der sechsten Staffel von „The Walking Dead“. Demnach wimmelt es hier von Spoilern – auch was die Comic-Vorlage betrifft. You have been warned!

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Vorweg: Die sechste Staffel der beliebten Zombie-Serie (ich hätte in meinen Jugendjahren nie damit gerechnet, dass es einmal so etwas geben würde) ist sehr gut. Die Inszenierung ist flüssiger als in den vorangegangenen Staffeln, die Figuren entwickeln sich nachvollziehbar und die Bottleneck-Episode um Morgan ist wohl das Beste, was es bei „The Walking Dead“ bisher zu sehen gab. Und dann kam das Finale, das mit Spannung erwartete, von allen Beteiligten und Fans herbeigesehnte Finale, in dem mindestens eine wichtige Figur aus dem Hauptcast dran glauben soll/sollte/musste. Und wie von den Machern erwartet und prognostiziert, ist das Internet explodiert – allerdings nicht vor Freude. Dass es kontrovers werden würde, war nicht nur den Comic-Kennern klar, halten die Mitwirkenden den Hype doch schon seit Monaten hoch. Doch diese Reaktion kann AMC und Co. nicht gefallen. Völlig zurecht fällt das Finale bzw. die letzte Szene beim Publikum unten durch.

Bis zum Schluss ist die Finale Folge – wie auch das Gros der Staffel – sehr gut inszeniert, spannend und packend: Das Katz und Maus Spiel zwischen Ricks Gruppe und den Saviors gibt es in der Comic-Vorlage nicht und bietet somit auch Kennern ein neues Erlebnis. Die Einführung von Negan als neuem Antagonisten ist ebenfalls gelungen und inszenatorisch vorlagentreu – bis auf seine Sprache, denn im Comic flucht er in jeden Satz mindestens zwei Mal (fuck, shit, cunt…). Und Jeffrey Dean Morgan geht sowieso immer. Aber leider hat er hier (wie ich es aufgrund der derzeitigen Trends erwartet hatte) einen (Dreitage)Bart und ist leider nicht rasiert wie im Comic. Kleinigkeit, aber das hätte ihn noch fieser erscheinen lassen, finde ich. Ok, geschenkt, nicht schlimm. Also, Staffel und Finale bis dahin top. Und dann kommt dieser unnötige Cliffhanger, mit dem sie sich wieder eine Chance verbauen. Wir sehen nicht, wem Negan hier den Schädel zu Brei kloppt, sondern erleben diese exzessive Gewalttat aus der Ego-Perspektive des Opfers. Ok, Bonuspunkte für Kreativität, und treffend inszeniert ist es ebenfalls. ABER: Warum zeigen die Verantwortlichen es dem Publikum nicht? Oder zumindest das Ergebnis? Weiterlesen