WONDER WOMAN – Video-Review

Wie ich schon mal geschrieben habe, landen einige meiner Reviews in “DEADLINE – Das Filmmagazin” respektive auf der Online-Seite von DEADLINE. Manchmal setze ich mich auch mit dem kollegen Peter zusammen und bespreche Filme auf unserem YouTube-Kanal Filmfressen. So wie hier, viel Spaß!

Batman V Superman – Dawn Of Justice

bvsUSA 2016

Regie: Zack Snyder

Darsteller: Ben Affleck, Henry Cavill, Jesse Eisenberg, Gal Gadot, Jeremy Irons…

Story: Zwei Wesen des zerstörten Planeten Krypton brachten im Finale von „Man Of Steel“ Zerstörung auf die Erde: Die Kontrahenten Superman (Henry Cavill) und General Zod (Michael Shannon). Der böse Zod wurde geschlagen und der Mann aus Stahl wird fortan entweder als Gott verehrt oder – ob seiner Macht – als Bedrohung für die Menschheit verdammt. Ein gewichtiger Wortführer im globalen Shitstorm gegen Superman ist Bruce Wayne alias Batman (Ben Affleck). Der sorgt – moralisch unterstützt von Butler Alfred (Jeremy Irons) – für Ordnung in Gotham City und ist von den tödlichen Auswirkungen des Gigantenkampfes in der Nachbarstadt Metropolis auch persönlich betroffen. Er stellt sich gegen seinen rot bemäntelten Kollegen, verbal und mit Körpereinsatz. Doch während Batman und Superman kämpfen, taucht eine neue Bedrohung auf, die beide zusammenschweißen könnte und an der das junge Unternehmer-Genie Lex Luthor (Jesse Eisenberg) alles andere als unschuldig ist. Zeit, dass sich die Mitglieder der Heldengruppe Justice League formieren…

Kritik: Die Pressevorstellung war im Vergleich zu anderen rappelvoll, was einerseits natürlich an dem Film und den Erwartungen an ihn liegen dürfte, andererseits wohl auch an der dankbaren Uhrzeit von 19:30 Uhr. Zur Begrüßung hat uns dann Regisseur und Mit-Drehbuchautor Zack Snyder per Einspieler persönlich darum gebeten, nicht zu spoilern – also keine wesentlichen Plot(twist)s zu verraten. Dem möchte ich hier nachkommen. Der Herr sah aber auch echt müde aus in dem kurzen Einspieler – ist wohl ziemlich stressig so einen Riesen-Film auf die Leinwand zu hieven.
sam_r4_v11c3_151002_17mj_g_r709f.362886.tifZunächst möchte ich attestieren, dass es ein cleverer und auch gelungener Clou ist, den Aufreger aus “Man Of Steel” – die Kollateralschäden des Kampfes zwischen Superman und Zod – hier als Aufhänger für den titelgebenden Konflikt zu nutzen. Und ich muss sagen: es funktioniert. Die Menschheit ist zwiegespalten, während die einen das blau-rote Alien für einen Heilsbringer halten, sehen andere den Superman als Bedrohung. Dazu zählt auch Bruce Wayne, der sich bekanntlich als Dark Knight um den Abschaum in Gotham City kümmert. Die Batman-Origin-Geschichte brauche ich – wie viele andere – wohl genauso wenig, wie zum drölfigsten Mal die Vorgeschichte von Spider-Man. Hier verarbeitet man sie glücklicherweise im Vorspann – mit kunstvollen Bildern, die später einen cinematischen Kreis schließen. Sowohl Batman, als auch Superman und sogar Lex Luthor haben eigentlich nur im Sinn die Menschheit zu beschützen. Vor jeweils unterschiedlichen Gefahren, mit unterschiedlichen Mitteln, aber aus ähnlichen moralischen Gründen. Das ist stets nachvollziehbar und läutet den Konflikt der diversen Figuren (Comic)logisch ein. Der Kontrast ist allem voran zwischen den Titelhelden gegeben: Tag gegen Nacht, Alien gegen Fledermausmann, Metropolis gegen Gotham City. Während der eine auf einer Farm aufgewachsen ist und im hellen Metropolis als Journalist seine Brötchen verdient, lebt der reiche Lebemann in der düsteren, verbrechenverseuchten Stadt “nebenan”. Das Ziel ist das gleiche, die Methoden machen sie schließlich zu Feinden. Und wenn diese beiden Comic-Giganten aufeinandertreffen, dann knallt es richtig. Mir ging bei dem Anblick dieser gigantischen Bilder, die zeitweise diverse Comic-Panels, die mich jahrelang begleitet haben, zum Leben erwecken, das Geek-Springmesser in der Hose auf.

Dabei ist die Erzählweise stellenweise holprig und stottert auch hier und da und der ein oder andere wird manches vielleicht als zu konstruiert empfinden. Aber Snyder und Co. haken hier nicht einfach ein Panel nach dem anderen ab, sie erzählen – zumindest stellenweise – eine “neue ” Geschichte bzw. bieten eine neue Perspektive/Herangehensweise. Mehr und flüssiger Plot und (besonders am Ende) weniger Krawumm hätte das Geschehen wohl runder erscheinen lassen. Mal sehen, was der 30 Minuten längere Director’s Cut dahingehend zu bieten hat – hat bei “Watchmen” und “Sucker Punch” (beide ebenfalls von Zack Snyder) zumindest geholfen. Das sind im Ganzen gesehen allerdings letztlich Kleinigkeiten, denn hier wird schon ein größerer Pinsel geschwungen. Es geht um die großen Dinge im Leben: Hoffnung, Rache, Verlust und Zusammenhalt. Darf überhaupt jemand/etwas über der Menschheit stehen? Und wer bestimmt das? Wer ist ein Gott, und ist er/sie/sie es gut? Wer darf so viel Macht haben, und wer darf sich in welchem Umfang und wie dagegen wehren? Aktuellere Fragen gibt es angesichts der derzeitigen politischen Situation weltweit wohl kaum. Und dafür hat Snyder die ideale Bildsprache gefunden. Haarscharf an Kitsch und Pathos dran, malt er große Bilder zu großen Gefühlen und lässt den Konflikt Gut gegen Böse von unseren Kindheits-Helden austragen. Da bin ich gerne Voyeur.

bvs-bvsUnd: Wir haben hier für mich den besten Batman bisher. Kein Scheiß. Affleck ist verbittert wie kein Zweiter und besonders im Kostüm (Frank Miller lässt grüßen!) ordentlich breit. Und einfach nur düster – das ist der DARK Knight. Auch als Bruce Wayne gefällt er mir besser als Christian Bale und sogar als mein Bruce Wayne-Favorit Michael Keaton, der die Rolle mit einer passenden Prise Melancholie erfüllt hat. Bale war mir da insgesamt zu glatt. Hier spüre ich den inneren Konflikt in jeder Geste, in jedem Gesichtsausdruck. Bei Snyders Batman ist er und alles um ihn herum (Gotham) einfach nur richtig finster und man merkt die Wut, die Verzweiflung, diesen unfassbaren Willen. Auch verzichtet das Drehbuch auf allzu lockere Oneliner. Diesen Batman wollte ich immer mal auf Leinwand sehen. Stichwort Production Design: Das Batmobile sowie der Batwing sehen fantastisch aus, von Gothams typischen Gothik-Stil sieht man dafür leider wenig, Metropolis kaufe ich dafür aber komplett ab. Zack Snyder ist zudem etwas gelungen, das bei mir seit dem Christopher Reeve Superman als Kind niemand mehr geschafft hat: Dass ich Superman einigermaßen sympathisch finde und auch seinen Konflikt verstehe. Da drückt er auch ab und an etwas fester auf die Kitsch- und Tränendrüse, aber das ist schon ok so. Als Sahnehäubchen oben drauf, bin ich jetzt auch noch Fan von Wonder Woman – zumindest wenn Gal Gadot sie verkörpert. Sie ist nicht nur unfassbar attraktiv, sondern tritt auch noch ordentlich Arsch. Vor allem als sie das erste Mal in Kostüm auftaucht und dazu das Amazonen-Thema durch die Kinoboxen knallt, gibt es keinen Zweifel, dass Wonder Woman hier angekommen ist.

Die Balance der Figuren stimmt insgesamt, auch wenn ein paar (Neben)Charaktere etwas untergehen, bzw. nur vorkommen, wenn das Skript sie gerade dringend braucht – wie bei Alfred beispielsweise. Das geht aber dahingehend in Ordnung, als dass es sich hier um ein ganzes (Comic)Universum handelt, das sich ja noch ausdehnen wird und mit “Dawn Of Justice” nur am Anfang steht. Ich gehe davon aus, dass wir von diesen Figuren in Zukunft mal mehr oder mal weniger sehen werden, das ist aber auch der Vorlage und deren Erzählstruktur “geschuldet”. Lois Lane bleibt jedoch weitestgehend blass: ist sie anfangs noch auf toughe Journalistin, die sich überall hintraut, wird sie zwischenzeitlich zur Prinzessin Peach von Super Mario Bros. und muss ständig gerettet werden. Gegen Ende erhält sie dann aber wieder ein bis zwei wichtigere Parts. Lex Luthor ist dagegen anfangs gar nicht so nervig, wie er im ersten Trailer gewirkt hat. Leider hält das nicht über die volle Spielzeit an. Gegen Ende driftet Jesse Eisenberg ziemlich in joker-esque Sphären ab und nervt fast nur noch – schade. Denn da wäre – wie beim übertrieben langen und ausufernden Finale – weniger viel mehr gewesen. Und ja, leider sieht Doomsday so bescheuert aus wie im Trailer und gleicht eher einem Höhlentroll aus der „Herr der Ringe“-Trilogie. Dafür teilt er aber ordentlich aus. Für nahezu jeden Negativ-Punkt lässt sich also auch etwas Positives zum Ausgleich finden. Die erwartete Materialschlacht am Ende zieht sich dann aber doch etwas und nimmt solch epische Ausmaße an, dass selbst ein Michael Bay wimmernd in der Ecke liegt. Da knallt es an allen Ecken und Enden. Das macht zwar Laune und wirkt speziell auf der Leinwand – und in Laser 3D – bombastisch. Aber auch nach 20-30 Minuten ermüdend. Da hätte ich mir mehr Details bei den Verknüpfungen der Handlungsstränge gewünscht und weniger Bombast. Aber was haben denn bitte alle erwartet, wen sich Zack Snyder dieser Stoffe annimmt? Und wer hat mit diesen ermüdenden Schlachten angefangen? Transformers und Co., und da nervt es ob der Unübersichtlichkeit auch. Aber früher konnten sich Bats und Supes nicht in diesem Ausmaße auf die Gosche geben, weil es technisch gar nicht möglich war. Da darf man ruhig etwas dankbar sein, wenn diese Optionen nun ausgeschöpft werden können, und Panels zum Leben erweckt werden – in der Art, wie wir es uns früher nicht hätten träumen lassen. Ich hoffe nur, dass Snyder und Co. es nicht auf Biegen und Brechen versuchen werden, den Krawumm-Faktor bei kommenden Filmen noch zu steigern, denn es gibt noch so viel Tolles zu erzählen. Und da darf gerne wieder mehr Fokus drauf gelegt werden – die Materialschlachten deluxe sind für Bay und Co. Aber generell mag man sich als Comic-Fan in den vergangenen Jahren und mit Aussicht auf die kommenden Projekte kaum beklagen.

sam_r7_v6_1_150331_06rl_g_r709f.616311.tifInsgesamt haut Zack Snyder besonders optisch auf die ganz große Kacke und schafft einen bildgewaltigen Comic-Blockbuster, wie wir ihn in dieser Dimension noch nicht gesehen haben. Das macht Laune und lässt narrative Schwächen größtenteils verzeihen. Natürlich passt auch keine detaillierte, feinfühlige Erzählstruktur, wenn es um große und damit plakative Helden, große Bilder und die großen (meist nun mal simplen) Gefühle geht. Und Superman ist nun mal ein plakativer Superheld. Vielleicht wirkt das Ganze im 30 Minuten längeren Director’s Cut noch runder, auch wenn ich mir dann an manchen Stellen wiederum Straffung wünsche. Drei bis fünf End-Szenen brauchte ich schon bei “Der Herr Der Ringe – Die Rückkehr Des Königs” nicht. Naja, ist kein Wunsch-Konzert, aber die Perspektive sieht doch sehr gut aus. Snyder ist jedenfalls ganz tief drin im Universum und er nimmt, reißt uns fast schon leichtfüßig mit. Ein toller Auftakt für die Justice League (ja, es kommen andere Figuren vor!) , besonders freue ich mich auf weitere Auftritte dieses Batmans.

Manu meint: Ikonische Bilder treffen auf eine etwas geschluderte Narrative und (stellenweise zu) viel Bum Bum. Nicht zu vergessen, macht es aber Dank DEM Batman einfach richtig Laune – ich hoffe dennoch auf einen runderen Director’s Cut. Kommt mit 8/10 Fledermäusen noch davon.